laesterwelle.de

woe 14.08.2010

Neuer Monat und alle alten Artikel im Archiv

Die alten Artikel sind nicht verschwunden, die stecken im Archiv ( hier ... ).

woe 14.08.2010

Funkstille bei Laesterwelle.de ... ?

Nicht Urlaub, Arbeit was der Grund

Da bin ich wieder.

Nein, nicht zurück aus dem Urlaub, schön wäre es. Ich hatte zu tun und außerdem war ich es leid, die Arbeit in Verrichtungen zu stecken, die es nun mal braucht, wenn ein Artikel geschrieben, ein Bild verbrochen ist, bis die im Netz erscheinen.

Immerhin folgt laesterwelle.de Regeln: Die monatlichen Hostingkosten dürfen den Eurocent-Bereich nicht überschreiten und damit geht nun mal keinerlei Funktionalität einher. Oder, um korrekt zu sein: Beinahe keine.

Server Side Includes sind da und daraus habe ich dann schon am Anfang ein sinnvolles Conteinersystem gebaut, das es erleichtert, Artikel ins Netz zu stellen. Bei den Bildern hatte ich dann aber noch geschludert und außerdem ist mir die Arbeit zwischen Schreiben und Öffentlichkeit zu viel. So entsteht also leise und still ein kleines, selbst gebautes offline-CMS für die Beschickung von Domains mit preisgünstigen Hostingverträgen.

Für Menschen, denen das IT-Chinesisch nicht so geläufig ist, sei verraten, das mit den kryptischen drei Buchstaben ein Content-Management-System gemeint ist, also ein Inhaltsverwaltungssystem. Die Idee finde ich übrigens prickelnd denn ein ordentliches CMS macht es möglich, damit verwaltete Inhalte für jedwede Form der Publikation aufzubereiten, nicht nur für das Internet.

Für mich wird das auch bedeuten, dass ich, wenn ich denn mal endlich Zeit dazu finde, ohne Aufstand ein neues Layout machen - und einschalten kann, einfach so. Das wird dann nicht erst Wochen für die Umsetzung im Natez kosten sondern nach geringer Arbeit ein Fingerschnippen.

Offline übrigens deshalb, weil die Inhalte von lesterwelle.de keineswegs dynamisch sind. Die meisten Publikationen haben keinerlei dynamische Inhalte außer Reklame. Bei mir will bloß keiner Reklame machen, schade eigentlich.

Was die Beurteilung der Dynamik von Inhalten betrifft, bin ich womöglich sehr konservativ. Ich meine, dass auch solche Inhalte nicht danymisch verwaltet werden müssen, die im 24-Stunden-Takt verändert - oder erweitert werden. Dem zu Folge sind für mich teurere Hostingmodelle mit programmiertechnischer Funktionalität nur dann erforderlich, wenn Interaktion verlangt ist oder die statischen Zustände die Tagesgrenze unterschreiten.

Damit mein Kopf auch was davon hat, schrieb ich zwar in den letzten Wochen verdammt viel, nur eben keine Artikel sondern Programmzeilen. Ich baue mir die technischen Werkzeuge, die ich für mein woe-O-CMS brauche. Dabei sei gesagt, dass ich keineswegs leidenschaftlicher Programmierer bin, keineswegs. Ich bin es aber gewohnt, mir die Werkzeuge zu machen, die ich benötige um meine Ziele zu erreichen. Außerdem ist das mal eine willkommene Übung für den Kopf: Wenn der ordentlich raucht, verliert er Rost.

Normalerweise denke ich mir nur Workflows aus und beschwatze Auftraggeber und Programmierer so lange, bis die bereit sind, gemeinsamen Plänen zu folgen. Am Ende geht es doch immer darum, ein gemeinsames Werk zu vollbringen. Manchmal ist es dann gut, sich nicht nur in die Lage versetzen zu können, in der die sind, auf die man nun mal zwingend angewiesen ist, sondern sich auch in deren Lage zu begeben. Ich bin also Auftraggeber, Planer und Umsetzer dieses Werkes und öffne so die Augen für die Sicht meiner Kollegen.

Ein guter, langjähriger Kollege wird übrigens schmunzeln, wenn ich zugebe, dass ich dieser Tage versucht war, den Begriff "cooler Code" in den Mund zu nehmen. Manchmal haben gute Werkzeuge ihre eigene Schönheit.

Am Ende will ich aber meine Artikel ohne großen Aufwand ins Netz stellen können, die Programmzeilen müssen nur funktionieren. Sie werden unsichtbar - ihr Wirken vom unbedarften Betrachter unbemerkt bleiben aber sie werden mir viel Freude bereiten, weil ich miene Energie in Artikel investieren kann.

Wenn das woeOcms fertig ist, wird es auch Freunden zur Nutzung überlassen werden. Laesterwelle,de ist auch angetreten, zu zeigen, dass es keineswegs teuer sein muss, die eigene Meinung öffentlich zu machen.

Nur so wird aus dem Internet ein demokratisches Mittel.

Ich bin mit der Programmierarbeit übrigens noch nicht fertig, fühle mich aber sehr geehrt, dass alle meine Leser mich kontaktiert haben und nach neuen Artikeln fragten. Die Drei sind echt nett ...

woe 14.08.2010

Bibi Aisha, der Mensch hinter dem Bild

In Deutschland sind Haustiere gesetzlich geschützt, Frauen in Afghanistan nicht

Da geht nun ein Bild um die Welt: Das Bild einer jungen Frau, ihr fehlt die Nase und ihre Ohren: Abgeschnitten, verstümmelt von der Hand ihres eigenen Mannes.

Der erste Teil der Geschichte dieser Frau ist leicht herunter zu beten: Bibi Aisha ist achtzehn Jahre alt, Afghanin aus der im südlichen Afghanistan gelegenen Provinz Oruzgan.

Ihr Onkel hatte leider jemanden aus einem anderen Clan getötet und so verschenkte man einen Menschen als Entschädigung: Bibi Aisha, sie war zwölf als aus ihr ein Präsent wurde, der derart beschenkte war ein Taliban-Kämpfer.

Mit Erreichen der Pubertät wurde sie mit ihm verheiratet, von lieben und ehren ist unter solchen Umständen aber keineswegs die Rede. Das Mädchen wurde als Sklavin gehalten, geschlagen und ihre Heimstadt war auch die vom lieben Vieh.

Sie, die sie gewiss nicht an der Tötung Teil gehabt hatte, derer sich ihr Onkel schuldig machte, musste büßen für eines Anderen Tat.

Und sie tat ihrereseits, was ihr Recht als Mensch war: Sie floh.

Leider gelang es dem Clan dem sie gehörte, sie ausfindig zu machen. Ein örtlicher Talibanrichter befand, dass sie die Familie ihres Gatten entehrt hatte.

Bei den Paschtunen heißt es, dass Ehemänner, deren Frauen Schande über sie gebracht haben, die Nase verloren haben. Der derart virtuell amputierte Gatte von Bibi Aisha rächte sich, er nahm ihr nicht nur die Nase sondern auch die Ohren: Er schnitt sie ab, physisch! Danach ließ er sie zum Sterben liegen.

Sie überlebte, schleppte sich fort und fand Hilfe.

Inzwischen ist sie in den USA, man wird ihr dort zu einem neuen Aussehen verhelfen und zugleich wird sie lesen und schreiben lernen.

Sie will eines Tages zurück in ihr Heimatland, um dort anderen Frauen zu helfen ...

Das ist der eine Teil dieser Geschichte und, wenn wir Menschen sein wollen, ein verdammt wichtiger Teil, handelt sie doch von einem zu unrecht geschundenen Menschen.

Bibi Aisha ist eine junge Frau, ihr Gesicht erschien auf dem Titel von TIME, sie steht für viele Frauen, für viele Menschen.

Mit der Veröffentlichung ihres Bildes wurde sie aber von ihrem Bild getrennt. Sie bekommt in den USA eine neue Nase, neue Ohren wenn es klappt, wird lesen, schreiben und anders leben lernen. Ganz unabhängig davon, was mit ihrem Bild passiert und doch womöglich deshalb, weil es genau dieses Bild von ihr gibt.

Ihr Bild ist zugleich längst Objekt erbitterten Streites, hat längst mit dem Menschen der darauf abgebildet ist, nichts mehr zu tun. Es ist ein Argument, eine Waffe im Streit um Krieg oder nicht Krieg und auch die Kriegsgegner hören oft auf, den Menschen dahinter zu erblicken.

Solche Bilder erklären nicht den Krieg, sie erklären nicht warum man ihn fortführen soll oder beenden. Das Bild erzählt von menschlichem Leid und greift nach unseren Herzen.

Unser Krieg in Afghanistan ist eine Schande für die freie Welt denn halbherzige Kriege führt man nun mal nicht!

Wer sich als Afghane auf den Westen einlässt, sollte sich auf die Socken machen und zusehen, dass er sein Heimatland hinter sich lässt. Solche halbherzige geführten Kriege hören irgendwann auf, indem der Westen sich davon macht. Er kostet nämlich Geld und wird nur so lange geführt, wie er der jeweiligen Regierung nützlich ist. Danach ist er plötzlich vorbei und die verbündeten Afghanen sind dann Kollaborateure. Dann können sie froh sein, wenn sie nur Nasen und Ohren lassen müssen.

Was, so frage ich mich, tun wir da überhaupt?

An wie vielen Stellen auf dieser Welt werden Kinder, Frauen, Menschen geschunden, misshandelt und ermordet. Was ist mit dem Sudan, was war mit Kambodscha? Was, was, was?

Dieser Planet ist so klein, ich denke wir sollten uns daran gewöhnen, dass wir Alle in einer Welt leben. Wenn mein Nachbar seine Kinder misshandelte, würde ich nach deutschem Recht schuldig, wenn ich ihn wissentlich gewähren ließe.

Ich denke, die Welt ist mittlerweile so sehr zusammen gerückt, dass wir alle einander Nachbarn sind und die Menschenrechte setzen wir besser auf der ganzen Welt durch. Anderenfalls werden die eines Tages womöglich bei uns auch wieder abgeschafft.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich liebe den Krieg nicht, ich will ihn nicht, ich will aber auch nicht, dass die Welt sich damit abfindet, was mit Bibi Aisha geschah oder mit irgendeinem anderen Menschen.

In Deutschland leben wir im Luxus: Hier würde ein Tierhalter bestraft werden, wenn er seinem Haustier derartiges antun würde.

Welche Polizei setzt dann aber den Mann von Bibi Aisha fest, welche Macht verhindert, dass Andere gleiches tun?

Nein, ich habe noch immer kein abschließendes Urteil über unseren Krieg in Afghanistan aber ich verurteile, dass wir Westler einen Krieg begonnen haben, den wirklich zu führen wir nie vor hatten.

Und, Leute, wir können keinen Unterschied machen, zwischen Löws Jungs und unseren Jungs in Afghanistan: Sie tragen alle die deutschen Farben und gehören alle zu uns, nicht nur die Fußballer, weil sie viele mit ihren Siegen glücklicher machten.

Wester-Welle

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