woe 01.03.2010
Die alten Artikel sind nicht verschwunden, die stecken im Archiv ( hier ... ).
woe 01.03.2010
Es ist für manche erstaunlich, dass diese schwarz-gelbe Chaosregierung auch Spuren zukunftsweisenden Denkens aufweist und darüber redet.
Bisweilen will es scheinen, dass die Regierungsmannschaft beginnt sich zu unterscheiden, in Krakeeler die eben nur krakeelen können und solche, die es ernst nehmen wollen, mit ihrem Amt, mit dem Regieren und mit der Verantwortung vor dem Volk, das sie dazu beauftragt hat.
Nun will ich nicht den Job von Ulrich Wilhelm machen, der ist Regierungssprecher oder offiziell der Chef des Presse- und Informationsamtes1). Es ist sein offizieller Job, die Öffentlichkeit über die Regierung zu informieren und Jeder meint zu wissen, dass er wohl die Aufgabe hat, das besonders vorteilhaft zu tun.
Ich hingegen lasse mich ja nur darüber aus, wie diese Regierung, überhaupt das politische Treiben auf mich wirkt. Ich muss es nicht schön reden, nur reden, damit es womöglich schöner wird.
Dabei fällt mir auf, dass unsere Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner2) (sage und schreibe CSU), deutliche Töne spuckt, wider die unkontrollierbaren Datenbanken großer Firmen, vornehmlich großer Internetriesen. Sie begrüßt den Vorschlag von Bundesinnenminister Thomas de Maizière3) (CDU), dass sich Unternehmen einmal jährlich gegenüber den Bürgern erklären sollen. Das war gewiss nicht die Idee des Wirtschaftsflügels.
Bedenkt man, dass auch unser Minister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Norbert Röttgen (CDU), bereits in Sachen Atomausstieg Meinungen vertrat, die Merkel in mütterlicher Fürsorge für die Atomwirtschaft rügte, so fällt dabei auf, dass sie alle nicht die Rampenlichtröschen der Regierung sind. Vorne keil Guido, immer laut, oft peinlich aber immer auf Spenden bedacht. Danach kommt ne ganze Weile Nichts und später, viel später dann diese deutlich leisen Minister die sichtlich darum bemüht sind, ihren Job nicht nur abzusitzen oder das Regierungsamt als Podium zu sehen.
Wir Wähler sollten überlegen, ob wir nicht besser auf genau diese Politiker sehen sollten und immer wieder geflissentlich an jenen vorbei, die laut sind, in der ersten Reihe stehen und sonst nicht viel mehr auf die Reihe bringen wollen.
Gewiss: Die, die heute in der zweiten Reihe ihrer Arbeit nachgehen, stehen morgen womöglich in der ersten reihe, womöglich haben sie sich aber dann daran gewöhnt, etwas zu leisten und nicht nur davon zu reden.
Wir Wähler sollten aber auch darüber nachdenken, was uns denn einfällt, unsere Meinung nicht nur alle vier Jahre zu kommunizieren und nicht nur via Meinungsforschung. Es könnte verdammt interessant werden, wenn wir Mittel und Wege finden könnten, Leistung zu belohnen. Leute wie Westerwelle schielen auf Spenden, warum sollen wir den Politikern nicht beibringen, auf unsere Stimmen zu schielen.
Wie spricht Westerwelle? Leistung muss sich wieder lohnen!
Links aus dem Text und zum Kontext: | |
| 1) Regierungssprecher | (Link vom 01.03.2010) |
| 1)Wikipedia: Ulrich Wilhelm | (Link vom 01.03.2010) |
| 2)Wikipedia: Ilse Aigner | (Link vom 01.03.2010) |
| 2)Wikipedia: Bundesministerium Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz | (Link vom 01.03.2010) |
| 2)Webseite Ministerium (BMELV) | (Link vom 01.03.2010) |
| 3)Wikipedia: Thomas de Maizière | (Link vom 01.03.2010) |
| 3)Wikipedia: Bundesministerium des Innern | (Link vom 01.03.2010) |
| 3)Webseite Bundesministerium des Innern | (Link vom 01.03.2010) |
woe 04.03.2010
Die wilden Anwürfe unseres Bundesaußenministers gegen Hartz-IV-Empfänger sind hinlänglich bekannt und wurden sehr gründlich gedreht, gewendet und vielfach verdammt oder bejubelt.
Gewiss ist bemerkenswert, dass ein Minister unseres Landes sich entschließt, Teile der Bevölkerung gezielt zum Vorteil der eigenen Partei in Misskredit zu bringen. Wenn selbst die positionsscheue Kanzlerin sich genötigt sah, Abgrenzung zu üben, ist das bemerkenswert.
Umso erstaunlicher finde ich es, dass neben dem wilden Getöse von Freund und Feind nicht viel passiert ist. Die politischen Gegner tauschten öffentlich vernehmbar Geschrei aus, echte Positionen und konkrete Gedanken wurden aber systematisch vermieden.
Westerwelle hat, gewiss ohne darüber nachgedacht zu haben, bewiesen, dass der soziale Frieden in Land noch recht stabil ist. Es gab ein paar Beleidigungen gegen den Mann aber nirgendwo hat einer zum Stein gegriffen und den auf eine FDP-Fensterscheibe geworfen.
Nun will ich einer Option dieser Art hier auch nicht das Wort reden. Ich bin sehr froh darüber, dass unser Land nicht erleben muss, dass solche Reaktionen üblich werden. Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass der politische Instinktmensch Westerwelle derartige Effekte nicht für sich beleuchtet hat. Ja, ich kann mir gar vorstellen, dass ihm einige publikumswirksame Sprüche dazu präsent sind, die er mit Genuss in einem Ausschreitungsfall verkünden würde.
Hat er das womöglich kalkuliert?
Westerwelle hat die Streichhölzer ausgepackt und sich eine Minderheit gezielt und namentlich vorgeknöpft. Seine Gestik, seine Mimik, seine beinahe schon an geifernde Redner vom rechten - oder linken Rand erinnernden Auftritte waren ein bewusstes Spiel mit dem Feuer. Zu solchen Mitteln greift nicht einmal ein Westerwelle, wenn er seine Partei nicht für die nächsten Wahlen sehr gefährdet sieht. Der Mann hat für mich versucht, am sozialen Frieden zu zündeln und ich muss unseren Außenminister als einen Politiker ansehen, der trotz des hohen Amtes bereit ist, eine Minderheit unseres Volkes zum Vorteil der eigenen Partei gezielt zu verunglimpfen.
Dass ein Vizekanzler, der im Falle einer Unpässlichkeit seiner Chefin womöglich an den Hebeln der Macht herumfingern kann, Teile seines eigenen Volkes derartig angeht, macht bei mir eine Stimmung die ich mit beklommen nur sehr unzureichend umschrieben sehe. Ich bin aber froh darüber, dass dieses Land von Menschen bewohnt wird, die besonnen genug sind, dieser politische Brandstiftung mit der nötigen Ruhe zu begegnen.
woe 07.03.2010
Als ich Kind war, galt das Militär noch als Schule der Nation, Prügelstrafe war noch erlaubt und ich hatte einfach Glück: Mein Vater hielt nichts vom Prügeln. Es gab aber Andere, die das übernahmen. Einer, der es versucht hat, hat es bereut: Mein Mathelehrer an der Hauptschule bekam eine Ohrfeige von mir zurück. Ich hatte ihn gewarnt, er hat das ignoriert und musste die Folgen tragen.
Zu meiner Überraschung eilten mir sogar sonst als ausgesprochen konservativ bekannte Lehrer zur Hilfe und so überstand ich den darauf folgenden Sturm gut, gänzlich ohne schulische Nachteile.
Züchtigungen innerhalb der Familie mussten gegen den Willen meines leider nicht ständig anwesenden Vaters geschehen. War er zugegen, mussten sie gänzlich unterbleiben. Was eine neunschwänzige Katze ist und wie die sich anfühlt, wenn man auf der falschen Seite von dem Ding steht, erfuhr ich dennoch, mein Vater arbeitete außer Haus. Ich hatte aber den Vorzug, immer auf seine Heimkehr hoffen zu können. Hoffnung ist wundervoll, auch verzweifelte Hoffnung.
Diese verzweifelte Hoffnung hatten die betroffenen Kinder nicht. Namentlich in Einrichtungen der katholischen Kirche wurde die Kultur des Schweigens geübt: Man Verschwieg und man vertuschte systematisch Verbrechen und machte damit möglich, dass immer neue Kinder solchen Verbrechen zum Opfer fallen konnten.
Natürlich bin ich versucht, hier gegen die gesamte katholische Kirche zu Felde zu ziehen, bringe genau das aber eben nicht übers Herz, weil Pauschalisierungen nicht voran bringen.
Auch ich nehme also Rücksicht aber ich will nicht, dass diese Rücksicht auf Kosten der Opfer geht. Dabei denke ich speziell an potentielle, künftige Opfer. Ich erwarte, dass die Täter dingfest gemacht, peinlich belangt und bloß gestellt werden, damit sich kein Kinderschänder einbilden kann, unter irgendeinem Mantel Schutz zu finden.
Verbrechen vertuschen heißt neue Verbrechen fördern. Wer seine Finger rührt, um Verbrechen dieser Art unter den Teppich zu kehren, der bereitet den Weg für neue. Der stellt sicher, dass sich immer und immer wieder Menschen einbilden können, sich ungestraft an Kindern vergehen zu können. Wenn schon ihr Gewissen sie nicht bremst, will ich, dass ihre Feigheit sie zähmt und sie aus Angst vor Strafe ihre Finger bei sich behalten!
Warum zetern eigentlich so viele Stammtischbrüder gegen Moslime, die angeblich das Abendland gefährden? Die Katholische Kirche hat zugelassen, dass an den Grundfesten des Abendlandes sabotiert wird. Sie hat mit ihrer Kultur des Schweigens, mit ihrer bewussten Verweigerung den Opfern zu halten gewiss mehr Kinder in den Selbstmord getrieben als Selbstmordattentäter bisher Opfer in Deutschland forderten. Insofern sitzt der gefährlichere Feind im eigenen Lager.
Ich bin gespannt, ob diese große Institution sich zu einer Reinigung entschließen kann oder nach kurzer Zeit wieder diese "Kultur des Schweigens", letztlich also die Vertuschung und die Lüge die Oberhand gewinnen.
Wer die christlichen Fundamente unserer Gesellschaft erhalten will, muss sie sauber und stabil bewahren. Der Moder der Lüge und der Schleim der Vertuschung bieten keinerlei Stabilität. Engagierte junge Menschen bauen mit ihren brennenden Herzen gewiss nicht auf unreine Organisationen, ihre Sinnsuche wird sich neue Ziele suchen, neue Werte, neue Fundamente.
Wenn ich also in die Zukunft der katholischen Kirche schaue sehe ich schwarz. Fragt sich nur noch, ob ich die Gewänder ihrer Priester vor Augen habe oder ihr Schicksal ...
woe 08.03.2010
Wie zu vernehmen ist, macht Frau Nahles Front gegen Guido Westerwelle, weil der seinen Kerl mit auf Reisen nimmt. Das scheint aber nur die Spitze eines Reiseeisberges zu sein denn neuerdings werden Vorwürfe laut, dass Westerwelle Spender mit auf Reisen nimmt.
Nun ist es nicht so, dass er irgendwelche Spender mit auf Reisen nehmen soll. Wer also für Brot für die Welt spendete, muss nicht überhaupt keine Hoffnungen machen, von Westerwelle mitgenommen zu werden. Allenfalls dass man von seinem Verhalten mitgenommen ist.
Nein, man muss schon für die FDP spenden, um dem Außenminister zu gefallen.
Laesterwellige Schandmäuler denken ja bereits darüber nach, einen Architektenwettbewerb auszuloben. Ziel soll es sein, einen möglichst originellen und stilsichere Entwurf für das dringend benötigte Kassenhäuschen am Haupteingang des Außenamtsgebäudes in Berlin zu finden, zu kühren und dann dessen Umsetzung mit Macht zu betreiben.
Laesterwelle.de wird einen digitalen Keks ausloben und natürlich ein Abendessen mit dem laesterwelle.de-Eigner, auf Kosten des Siegers. Ort und Speisenfolge werden natürlich ebenfalls von laesterwelle.de festgelegt, damit der Gewinner sich allein dem Genuss seines Gewinnes und natürlich der Zahlung der anfallenden Spesen widmen kann.
Von Westerwelle lernen heißt siegen lernen und also reicht es, dass hier die Idee geboren und die Gelegenheit zur Profilierung geboten wird. Zahlen müssen eben die Nutznießer und nicht der Autor dieses Artikels.
Gewiss: laesterwelle.de kann noch nicht Einfluss auf den Steuersatz bestimmter Dienstleistungen nehmen, auch Nachlässe beim Lesen von laesterwelle.de sind nicht möglich denn es ist schon jetzt gänzlich kostenfrei. Im Augenblick steht auch zu befürchten, dass die drei freiwilligen Leser sich schnell verflüchtigen würden und neue wieder schanghait werden müssten. Dennoch gedenkt laesterwelle.de das große Geld zu machen. Immerhin bekommt Westerwelle für seinem Art Geschrei verdammt viele Spenden. Warum soll laesterwelle.de nicht gelingen was für Westerwelle, Außenminister aus .de, bereits eine leichte Übung ist?
Einen Seitenhieb aber noch auf Nahles: Die schiesst sich nun auf Westerwelle ein, neidet ihm den Lebensgefährten auf Reisen, ok, stimmt schon, wenn der unerlaubte Vorteilsnahme betreibt, muss man dem auf die Finger hauen.
Warum verbringt Nahles aber Zeit damit hinter Westerwelle her zu hecheln und dem ans Bein zu pinkeln? Hat die nicht genug damit zu tun, sich anständige Konzepte auszudenken, mit denen Hartz IV reformiert werden kann? Immerhin geht es um die alte Klientel der SPD und es könnte keine schlechte Idee sein, wenn die SPD auch noch andere Fähigkeiten an den Tag legen würden als rum zu stänkern, das kann Westerwelle viel besser.
woe 09.03.2010
Kinder werden nicht nur von Katholiken misshandelt. Kein Geheimnis, ich muss es aber erwähnen denn bisher habe ich nur böse Worte für katholische Missetäter hier veröffentlicht. Nun schaut es so aus, dass auch im Bereich der Diakonie Düsseldorf zu üblen Taten gekommen ist.
Hier sind offenbar keine sexuellen Handlungen im Spiel sondern dubiose Behandlungsmethoden gegen Kinder, die ohnehin bereits erhebliche Probleme hatten und in Behandlung waren. Ausgerechnet Psychologen, debeb sie anvertraut wurden, übten sich dann in "sehr rüden Behandlungsmethoden, wie bei der Tagesschau zu erfahren ist.
Bemerkenswert ist hier aber die Art und Weise, wie Informationen darüber ans Licht der Öffentlichkeit gelangen konnten: Als in einer Tochtergesellschaft der Graf Recke Stiftung, Educon, Vorwürfe ruchbar wurden, schritt die zur Selbstanzeige.
Hier war also keine systematische Vertuschung am Werk, den Verantwortlichen geht es nicht darum, heimlich zu verschweigen, was ihren Schutzbefohlenen widerfuhr.
17 Beschuldigte wurden aus dem Dienst entfernt, die Untersuchungen dauern an. Offenbar existiert Videomaterial das von den Behandlungen gemacht und nun zur Untersuchung der Vorwürfe herangezogen werden kann.
Aufklärung hilft, jenen die zu Opfern wurden, weil man ihnen nun helfen kann. Es hilft aber auch jenen, die noch Opfer geworden wären, wenn das heimlich so weiter gegangen wäre. Denen muss man diese Verletzungen zum Glück nicht heilen, die wurden verhindert.
Insofern sollten unsere Gefühle bei den Opfern sein, und unsere Achtung für jene erwogen werden, die sich zu dieser Selbstanzeige durchringen konnten. Das ist honoriges Verhalten denn Lügen scheint oft viel bequemer, ganz gleich wie kurz deren Beine sind.
woe 10.03.2010
Gesundheitsminister Philipp Rössler will die Gesundheitskosten zunächst über die Medikamentenpreise drücken.
Im kommenden Jahr droht ein Krankenkassendefizit von elf Milliarden Euro. Wenn wenigstens er glaubwürdig bleiben will, obgleich er der FDP angehört, muss er Handlungswillen zeigen und nicht nur den Willen. Rösler ist also in die Offensive gegangen und hat sich zum Auftakt auch gleich Drohszenarien überlegt, die der Pharmaindustrie zeigen sollen, dass es schmerzhaft wird, wenn sie nicht einlenkt.
Es wird ohnehin gemunkelt, dass baugleiche Arzneimittel jenseits unserer Landesgrenzen zu ganz anderen Preisen gehandelt werden als hier zu Lande. Das zeigt, dass die Pharmaindustrie durchaus Spielraum hat, mit der sie dem FDP-Minister entgegen kommen kann. Man stelle sich vor, der Mann scheitert und eines Tages kommt ein Linker auf seinen Posten.
Nein, Rösler muss es schaffen, dem kommenden Defizit ins Auge zu sehen, die horrieblen Zahlen in unser Bewusstsein brennen und dann eine, womöglich zwei Milliarden Euro davon einsparen. Gelingt ihm das, kann er sein Gesicht wahren und eine eigene Position aufbauen, unabhängig von Westerwelle. Dem, Westerwelle, glaubt ohnehin keiner, dass der den Rösler wirklich gegen die Industrie fechten lässt. Allenfalls als Finte, um es hinterher mit dem Klingelbeutel leichter zu haben.
Im Augenblick droht Rösler der Industrie glatt damit, den Krankenkassen ein (kostendeckendes) Preisdiktat dann zu erlauben, wenn die Pharmakaufleute zu sehr die Hand aufhalten wollen und sich am Verhandlungstisch zu lange zieren. Richtig gemein der Mann.
Wir dürfen gespannt sein, ob Guido einschreitet und ihn zurück pfeift oder ob Rösler hier das Kreuz durchdrücken kann und voran kommt. Wenn einer in der FDP was Ordentliches fürs Land auf die Reihe bekommt, muss das Erwähnung finden, ganz gleich wie klein es auch ist. Wer dergleichen Dinge tut, tut es womöglich nicht mit dem Wohlwollen seines Chefs denn der ist bekannt dafür, dass er der große Mann in der FDP ist. Wo einer richtig groß ist, sind die Anderen darum herum meist klein und so soll das wohl auch sein, wenn es nach Westerwelle geht.
Mit dem Mund ist Rölser jedenfalls in die Offensive gegangen, schauen wir, was er mit den Händen macht ...
woe 11.03.2010
Wie auf dem Link zu einem SPIEGL-Video zu erleben ist, verfügt Italien nicht nur über einen wirklich außergewöhnlichen Ministerpräsidenten, sondern auch über einen handfesten Verteidigungsminister.
Berlusconi, amtierender, schillernder und, wie gemunkelt wird, auch per Schönheitsoperation getunter Obermacho der Stiefelrepublik, versucht eine Pressekonferenz durchzuführen. Leider ist aber noch nicht die gesamte Presse seines Heimatlandes von ihm gekauft und schon gar nicht jeder Journalist. Einer, der dieser Ladenhüter, die noch nicht auf Belusconis Lohnliste stehen, mochte denn auch nicht brav sein. Erst machte der "Staatsmann" Belusconi die wilde Waschfrau und dann schritt der italienische Verteidigungsminister zur Tat und war den unliebsamen Besucher eigenhändig hinaus.
Italien hat also einen echten Verteidiger als Minister.
Wer ist schlimmer für sein Land, Berlusconi oder Westerwelle? Hier das Video bei SPIEGEL ONLINE VIDEO, Berlusconi mit tätlichem Verteidigungsminiter.
woe 12.03.2010
Er ist unter Druck, der Guido Westerwelle. Das weiß er, das spürt er und das macht sich in seiner Gestik, vor Allem aber in seiner Rhetorik bemerkbar.
Das narbige Pokerface ist weder cool noch ausgeglichen, seine Augen sind schneller geworden, sie fokussieren viel wahlloser als noch vor Monaten, wenn er spricht. Westerwelle weiß, warum er Hartz-IV so laut und hart nach vorn brachte: Es ist besser da angegriffen zu werden, wo man es gern hat als da, wo es schmerzt.
Während die Gegner also brav ihre Instrumente im Hartz-IV-Orchester einbrachten, war Westerwelle der verschmitzte Herr des Geschehens. Nun aber holt ihn die Realität bitterböse wieder ein. Seine saloppe Art Amt, Kalkül, Privates und Geschäftliches zu verquicken, kann ins Auge gehen. Er weiß das, er kann es aber auch nicht lassen. Er muss beweisen, dass er damit durch kommt, das reizt, das ist der Drang, das ist unwiderstehlich.
Weder kann Guido Westerwelle den Mund halten, wenn das für ihn und die Welt besser wäre, noch kann er irgendwo in der zweiten Reihe stehen oder die Finger von der Möglichkeit lassen, sich durchzusetzen.
Ich denke, der Mann wurde schon oft unterschätzt. Er schaut nicht aus, wie ein typisches Alphatier. Womöglich hat ihm das geholfen, zu überleben. Höre ich ihn, meine ich immer, er habe das Maul eines Löwen. Sehe ich ihn, erkenne ich keineswegs die Statur des Löwen und erlebe ich ihn, nehme ich auch nicht das Rückgrat eines Löwen wahr.
Was da gerade abläuft, kommt mir vor wie ein Showdown, ein furioses Feuerwerk das einer abbrennt, der genau weiß, dass es nicht mehr lang so weiter gehen kann.
Die Welt ist voller Feinde, er ist allein.
Er wird sich nicht verstecken, er wird hier rufen, wenn es ins Gefecht geht und er wird alles riskieren. Er wird auch nicht schweigsam Abtreten und einfach verschwinden, wenn es schief geht. Guido Westerwelle wird nachtreten, dessen bin ich mir sicher.
Ob es ihn dieser Tage tatsächlich schon erwischen wird, kann ich nicht sage. Ich weiß nur, dass er sich für meine Augen so benimmt, als rechne er durchaus damit. Es brennen viele Lunten und sein Sitz ist wahrhaft ein Pulverfass, der Harlekin macht trotzdem seine Faxen und wird den Mund niemals halten, bevor sich alles schließt.
Was würde dann aus laesterwelle.de? Ich meine, dass Westerwelle ein gewisses Gedenken sehr wohl verdient hat, ich kann die Seite fortführen, auch wenn ihr Namenspatron eingestampft wird und seine Gegner ihn von der Bühne fegen. Sollte er straucheln, wird es kaum Pardon für ihn geben können, dafür hassen ihn zu viele, gerade in den eigenen Reihen.
woe 14.03.2010
Da stehen sie nun, aufrecht und kampbereit, all ihren Kritikern zum Trotz und jederzeit bereit für Ihre wichtigstes Kapital zu fechten: Ihre Glaubwürdigkeit.
Papst Benedikt XVI und Guido Westerwelle werden von ihren untergebenen Imagepflegern tapfer verteidigt. Beide Propagandatruppen sehen die Glaubwürdigkeit ihrer Chefs gezielten Angriffen ausgesetzt. Im päpstlichen Fall gefährdet das gleich das gesamte Abendland, bei Westerwelle nur die Bundesrepublik Deutschland oder, um genauer zu sein, deren Ansehen in der Welt und nebenbei natürlich auch gleich die Demokratie hierzulande.
Wenigstens haben die Imagepfleger das so beschlossen.
Beim Papst geht des darum, dass 1980 ein pädophiler Priester nach München geholt wurde, der zuvor in Essen bereits unhaltbar geworden war. Man war ihm auf die Schliche gekommen und er musste dort von der Bildfläche verschwinden. Dumm ist, dass man den Mann im Erzbistum München und Freising wieder in der Gemeindearbeit einsetzte. Man machte den Bock zum Gärtner, und er naschte wieder an Schutzbefohlenen.
Das pikante daran ist, dass damals ein gewisser Erzbischof unter dem Namen Joseph Ratzinger als Chef des Erzbistums München und Freising wirkte. Er stimmte, so wird zum Ärger der päpstlichen Hilfstruppen gemunkelt, der Versetzung und, wichtig, dem neuen Einsatz des erkannten Kinderfummlers im neuen Wirkungsfeld zu. Ich muss jetzt raten und vermute mal dreist, dass man von Seiten der Kirchenobrigkeit vornehmes Stillschweigen übte. So wandte man schaden von der armen Seele des schuldig gewordenen ab und zugleich vom Großen und Ganzen, dem Ansehen der Kirche. Die Gemeinden werden wohl nicht gewusst haben, dass in ihren Gärten ein Bock seinen Auslauf genoss.
Mir ist gleichgültig, ob Ratzinger, der ja gegenwärtig unter dem Künstlernamen Benedikt den Papst gibt, daran persönliche Verantwortung trägt oder nicht. Ich muss darüber nachsinnen, was ich von einer Organisation halte, die diesbezüglich als gleichgültig aufgefallen ist.
Wenn eine solche Organisation systematisch Verfehlungen verschweigt und vertuscht um das eigene Ansehen zu schützen, muss ich mir überlegen was ich über diese Organisation denke und schreibe.
Ich muss die Frage stellen, welche Schuld diese katholische Kirche auf sich geladen hat, indem sie Täter deckte und fahrlässig mit ihnen und ihrer Verwendung in der eigenen Organisation verfuhr. Trägt die katholische Kirche Schuld an Opfern die durch ihr Verhalten erst zu Opfern werden konnten?
Ich meine ja.
Ich meine, dass eine Organisation wie die katholische Kirche sich über ihre Verantwortung klar werden muss. Nicht nur in diesem Kontext.
Wer laut den Anspruch erhebt, moralische Instanz zu sein, darf sich dabei nicht aufs Gewohnheitsrecht berufen. Die Kirche kann nicht moralische Instanz sein, nur weil sie das schon immer gewesen sein will denn zum Einen war sie es nie und zum Anderen muss ein derartiger Anspruch täglich neu bewiesen werden.
Es gab und gibt Menschen in Ämtern der Kirche, die Großartiges leisten oder geleistet haben, viele, womöglich. Die Ämter halfen diese Taten zu vollbringen. Dennoch waren es einzelne Menschen, die die Hülle ihrer Posten mit Leben und Taten erfüllten. Solche Menschen besitzen Strahlkraft, stiften Andere an und so bilden sich Ketten guter Taten, Traditionen vorbildlichen Seins. Wird so was institutionalisiert, verkrustet es auch leicht zur bloßen Fassade hinter der sich dann Parasiten einnisten, solche, die im Abglanz der Vorbildlichen ihr eigenes, wenig vorbildliches Süppchen kochen. Auch diese Personen bilden Anfangspunkte für Ketten nachahmender Taten, auch sie bilden Traditionen allerdings solche des Bösen. Deshalb gilt Amtsmissbrauch auch als ausgesprochen schändliches Vergehen.
Eine Gesellschaft, die daran gewöhnt ist, Inhabern besonderer Ämter besonders Vertrauen entgegen zu bringen, ist gezwungen, den Missbrauch dieses Amtes hart und unnachsichtig zu bestrafen, wenn sie sich nicht selbst demontieren will.
Das gilt für Priester, für Bischöfe und auch für Minister. Genau deshalb trat Bischöfin Käßmann zurück. Sie konnte ihr Amt nicht mehr mit der Überzeugungskraft ausüben, mit der sie es ausgefüllt sehen wollte. Sie erwies ihrem Amt damit einen unschätzbaren Dienst und ich persönlich habe tiefen Respekt vor dieser Frau.
Genau an dieser Stelle verbindet sich aber auch das Getöse um Benedikt und Westerwelle. Während die päpstlichen Imagepfleger "nur" einen Angriff auf ihren Chef persönlich wittern und schmähen, behaupten Westerwelles Imagepfleger gleich einen Angriff auf das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland in der Welt und auf die Demokratie im Lande.
Nun bin ich beinahe geneigt, die Imagepfleger beider Herren zu bedauern. Sonderlich jene von Guido Westerwelle haben es in diesen Tagen ja auch wirklich nicht leicht.
Den gegenwärtigen FDP-Chef in ein gutes Licht rücken zu müssen, verdiente im Erfolgsfall tatsächlich ein exorbitant fürstliches Honorar.
Benedikt kommt am Ende gewiss unbeschadet davon, selbst wenn seine Imagepfleger mit sehr begrenzten Fähigkeiten ausgestattet sind: Der Papst bleibt tragbar.
Guido Westerwelle wird nicht nur ein Job der Imagepfleger bleiben.
Irgendwann muss sich die FDP die Frage stellen, ob die Schminkkosten nicht das Große und Ganze so sehr belasten, dass dieses Große und Ganze sich des Übels entledigen muss, dass mehr zu schaden als zu nutzen beginnt.
Neoliberale verstehen Etwas von der Kosten-Nutzen-Rechnung und es sind ja nicht nur monetäre Schäden die durch hinreichend üppige Spenden ausgeglichen werden könnten. Ist das Ansahen erst einmal richtig ramponiert, mag auch Niemand mehr Spenden. Dann geht es einfach komplett bergab, auf Talfahrt.
Die FDP hat Erfahrung mit Talfahrten, die Fünfprozenthürde ist ihr geradezu vertraut. Schauen wir mal genau hin, was sich da tut, sehen wir ob und wo sich die ersten Absetzbewegungen bemerkbar machen.
woe 16.03.2010
Ich traue meinen Augen kaum, wenn ich mir die Reaktionen von FDP und katholischer Kirche so durchlese, mit denen sie auf ihre Kritiker reagieren.
Guido Westerwelle, wir wissen es nun mittlerweile alle, steht in der Kritik, weil man ihm Klientelpolitik ebenso vorwirft wie Fettenwirtschaft und schlichten Opportunismus, koste es was es wolle.
Kein Mensch weiß, ob Westerwelle ein Zyniker ist, der Schaden für das Ansehen seiner Partei und seines Staates billigend in Kauf nimmt oder ob der Mann nicht mit bekommt, was da so vor sicht geht. Ich für meinen Teil bekam schon bei seiner Hartz-IV-Schelte eine Gänsehaut und konnte erfreut erkennen, dass der soziale Frieden in unserem Land noch verdammt groß ist. Wäre die Situation prekärer, sähe ich in Guido Westerwelle einen gefährlichen Brandstifter. Einen Biedermann sehe ich ohnehin nur im sarkastischen Sinn in ihm.
Doch plötzlich beginnen seine Mitstreiter, den Kritikern ihres Herren Gefährdung der Demokratie vorzuwerfen. Die Haut ist dünn geworden, dass mit solch kurzsichtigen Anwürfen operiert werden muss. Dabei hatte Westerwelle doch eine Weile das Geschehen gut im Griff. Er wetterte gegen Hartz-IV-Empfänger und alle waren empört. Das Wehklagen über seine Dreistigkeit verschlug seinen Gegnern reihenweise den Sinn für die Realitäten und so lamentierten sie, wo Argumente viel gefährlicher für die FDP geworden wären.
Kritiker sind doof, ruft die FDP und ich befürchte, dass das stimmt.
Auch die Kritiker des Papstes müssen sich damit abfinden, schroff mit blökenden Argumenten bekämpft zu werden. Plötzlich sind Barbaren jene, die sich wünschen, dass der katholische Oberhirte Stellung bezieht, zur Barbarei an Kindern in deutschen katholischen Einrichtungen. Schändlich sind die, die es wagen, den Unfehlbaren zu kritisieren!
Oh, es juckt mir in den Fingern. Wie wundervoll könnte ich doch über die FDP und die katholische Kirche herziehen, Munition gäbe es genug.
Ich sehe aber auch, dass beide Organisationen ihren Platz in unserer Gesellschaft haben. Fände sich bei der FDP wieder eine liberale Komponente in ihrem Profil, täte das auch unserer Gesellschaft gut. Liberale Positionen werden gegenwärtig nicht vertreten, dafür ist niemand im gegenwärtigen politischen Spektrum bereit den Mund auf zu machen.
Die katholische Kirche spendet Sinn und Trost noch immer für verdammt viele Gläubige und ihre karitativen Einrichtungen sind wertvoll, sofern darinnen keine Menschen zu schaden kommen.
Beide, FDP und katholische Kirche sollten sich auf ihre positiven Traditionen besinnen, es täte unserer Gesellschaft gut.
Deshalb widerstehe ich auch der Versuchung los zu sticheln und polternde Worte genüsslich so zu drechseln, dass es Freude bereitet mit ihrer Hilfe verletzende Wunden zu schlagen.
Die FDP könnte einen neuen Chef brauchen, dann klappt das auch wieder mit den Wählen. Die katholische Kirche könnte einen heiligen Geist brauchen, der mit ehrlichen Zungen redet und sich nicht immer im Mantel des Schweigens verheddert.
Auf mich hört ja Keiner, weiß ich. Trotzdem gut das ich das mal geschrieben habe.
woe 24.03.2010
Die Sache beginnt sich problematisch zu gestalten: Während Guido Westerwelle seine Begleitung gern zuerst im engeren Umfeld sucht und offenbar auch findet, fehlt es ihm für den kretiv-konstruktiven Bereich deutlich an engerer Bekanntschaft.
So wundert nicht, dass noch immer keine Freund oder bekannter aus Westerwelle Umgebung mit dem Auftrag betraut wurde, endlich einen adäquaten Entwurf für ein gediegenes Kassenhäuschen im Eingangsbereich des Auswärtigen Amtes in Berlin zu gestalten.
Es gibt auch noch einige sicherheitstechnische Probleme wegen der später nötigen Genehmigung für Geldtransportfirmen. Die müssen ja später die im Häuschen eingenommene Barschaft abtransportieren dürfen. Immerhin werden deren Bedienstete mit Pistolenhalfter in den Bereich eines Regierungsgebäudes eindringen. Diese problematische Gemengelage sicherheitstechnischer Anforderungen mag auch Grund für die Tatsache sein, dass die öffentliche Hand noch keine offene Hand in Westerwelles Umfeld fand, die das Honorar für den Auftrag einstreichen wollte: Hier sind Erfindungsreichtum, Entwurfsgenie aber auch Einfühlungsvermögen und technischer Verstand zugleich gefragt. Hier ist die mentale Kraft zum konstruktiven Aufbau stabiler Baulichkeit wichtig, nicht diese beständige Begehrlichkeit, wie sie sonst in Westerwelles Spenden- Reise- und Geschäftsumfeld zu finden ist.
Westerwelle selbst versteht mehr von destruktiver Kreativität, ist es doch sein Spezialgebiet, politische Gegner in die linke Ecke zu stellen oder Hartz-IV-Empfänger zu Volksschädlingen zu degradieren. Er blüht, wenn er zuschlagen kann und schrumpelt, wenn das gerade nicht geht. Funktionierende Kassenhäuschen baut man nicht mit Destruktion, bös gesprochen: Westerwelle ist nicht in der Lage, endlich das dringend von der FDP benötigte Kassenhäuschen aufzubauen!
Im Auswärtigen Amt ist es ein offenes Geheimnis, dass die Pachtverträge zwischen dem Liegenschaftsamt und der FDP längst vorbereitet sind. Es ist geplant, der FDP während der Amtszeit eines FDP-Außenministers, den gesamten Eingangsbereich und womöglich gar die Fassade zur Vermarktung zu überlassen.
Es muss endlich möglich werden, dass Bürger, Freiberufler und Unternehmer zu jeder Tages- und Nachtzeit Gelegenheit haben, Barspenden einzuzahlen und die dafür ausgelobten Reise- Unterstützungs- und diskrete Bevorzugung zu vereinbaren, die sich daraus nun mal ergeben muss.
Es geht nicht an, dass nur Personen aus westerwelles Familien- Freundes- oder Bekanntenkreis das Wohlwollen unseres Vizekanzlers finden. Unsere Verfassung erlaubt es nicht, dass Minister nur für persönliche Bekannte käuflich sind. Außenminister sind für ALLE da!
Mittlerweile ist auch bekannt geworden, dass bereits Ausschreibungen für das Bedienungspersonal im Kassenhäuschen vorbereitet werden. Es ist wohl geplant, dass Spender und Spenderinnen bei nennenswerten Summern mit Kaffee, Tee, Kuchen, Bier, Wein und Leckereien bedient werden sollen. Für Kleinspender soll eine Softeisbude umweltfreundliche Eistütchen ausgeben, eventuell Glühwein und Punsch in der kalten Jahreszeit.
laesterwelle.de ist gegenwärtig bemüht, an die Ausschreibungsunterlagen für diese umfangreichen Vorhaben im Bereich des Außenministeriums heran zu kommen und eventuell eigene Wettbewerbe dafür auszuschreiben. Die Redaktion erwägt, eine nennenswerte Menge digitaler Kekse für gute Entwürfe, Konzepte und Vorschläge auszuloben. Natürlich werden den Gewinnern auch Möglichkeiten für ein Essen mit dem Radaktionschef winken, auf Kosten der Gewinner an einem Ort nach Maßgabe der Redaktion, natürlich.
Die Zusammensetzung einer notwendigen Jury ist noch unbekannt, es wird an fünf Mitglieder mit einfachem Stimmrecht gedacht. Der Redaktionsleiter von laesterwelle.de wird den Vorsitz übernehmen und dabei die schwere Aufgabe haben, mit seinen sechs Stimmen verantwortungsvoll umzugehen. Obgleich laesterwelle.de noch nicht über ein Kassenhäuschen verfügt, werden Spenden für die Bewerbung in die Jury nach dem Prinzip einer amerikanischen Versteigerung in bar in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang nach vorheriger Verabredung entgegen genommen.
Vierstellige Summen werden selbstverständlich entgegen genommen, können aber leider sonst keinerlei Berücksichtigung finden, da bitten wir doch sehr um Verständnis. Von Sachspenden unterhalb werksneuer Kraftfahrzeuge (vierrädrig!) oder bezugsfertiger Wohnungen (> 2 Zimmer) ist abzusehen, wenn es sich nicht um nachweisliche Kostbarkeiten handelt.
woe 24.03.2010
Es wird Zeit mich zu erklären. Auf Eiern tanzen mag ich nicht, ich tanze ohnehin ungern.
Guido Westerwelle ist schwul und letztlich hat er genau wegen dieser Neigung mehr Schonung bei mir erfahren als es einen Hetero mit ähnlich schlechtem Benehmen zuteil geworden wäre.
Warum? Keinen Schimmer.
Ich kann es nicht erklären, auch, wenn ich schon diverse Anläufe dazu genommen habe.
Kann sein, dass ich da einen Tick habe. Irgendwie habe ich Hemmungen auf den Angehörigen einer Gruppe unserer Gesellschaft verbal zu feuern, die seit Menschengedenken bei uns geächtet war, verfolgt und getötet wurde.
Einer meiner besten Freunde, ich habe leider wahrhaft nicht viele davon, war schwul. Vergangenheit, weil ihn die Krankheit erwischt hat, von der manche meinen, dass Gott sie gesandt habe, um die Schwulen vom Angesicht der Erde zu tilgen und den blauen Planeten wieder gottgefälliger zu machen. Ich denke nicht, dass Irgendwer, der daran gestorben ist, das auch verdient hat. Ich glaube auch nicht, dass schwul, lesbisch oder bi zu sein, irgendeinen Makel darstellen kann, der Benachteiligung oder Ablehnung rechtfertigt. Wozu überhaupt diese Sucht nach Abgrenzung, Isolation und Verdammnis? Kein Mensch wird besser, wenn er andere schlechter macht, im Gegenteil.
Ich hab Probleme mit Westerwelle. Dass er schwul ist, lässt mich bisweilen inne halten. Das ist wohl mehr das verdienst meines alten Freundes als seines.
Mir fällt auf, dass die schwule Gemeinde nicht vernehmlich aufhorcht, wenn einer der ihren, Guido Westerwelle, publizistisch den Hosenboden stramm gezogen bekommt.
Frau Schwarzer würde kein Mädel so im Regens stehen lassen, es sei denn ...
Ja, was eigentlich?
Ist Westerwelle schlicht schwul, hat aber mit der schwulen Gemeinde nichts zu tun? Manchmal will es mir so scheinen als sehe die Gemeinde betreten bei Seite. Was haben wir in unserem Land nicht alles schon erreicht. Erst einer, der gegen die Startbahn west kämpfte als Vizekanzler, dann ne Frau als Kanzler und nun nen Schwuler als Außenminister. Ich habe keinen gehört, der sich darüber freute. Die Schwarzer hätte ne Fete geschmissen, wenn eine Lesbe den Job bekommen hätte. Auch, wenn Alice Schwarzer mir immer mal leise Kastrationsängste mit ihrer barschen Rhetorik beschert: Sie hätte aber sehr recht, es wäre ein Grund zu feiern!
Warum also hat Niemand gefeiert, dass ein Schwuler zum Vizekanzler wurde?
Dieser Artikel ist keineswegs rund, gibt mehr Fragen auf als er Antworten parat hat. Allenfalls die Erkenntnis, dass schwul, lesbisch, bi, hetero, vegetarisch oder polyamourös reichlich gleichgültig sind, ist erlaubt. Wobei, polyamourös wäre mal nicht übel, ich sollte das überlegen.
Was ich eben auch noch überlegen muss ist, warum Guido Westerwelle sichtlich kein Teil er schwulen Gemeinde ist. Immerhin hat die FDP ihn sogar zum Chef gemacht. Erstaunlich, dass so viel Beliebtheit auf der einen, zu keiner Nachahmung auf der anderen Seite führt.
Es ist spät in der Nacht, ich bin müde und will schlafen, nur noch schlafen und, ganz ehrlich: Ich mag nicht von Guido Westerwelle träumen denn als Mädchen für angenehme Träume ist er mir nicht fesch genug und als Vizekanzler schlicht ein Albtraum.
Gute Nacht ... ganz ohne Hintersinn.
woe 26.03.2010
Da geht nun mal wieder ein Untersuchungsausschuss an die Arbeit. Diesmal geht es um Gorleben, jenen mittlerweile schon symbolischen Salzstock im Norden der Bundesrepublik.
Es soll untersucht werden, ob die damalige Bundesregierung unter Helmut Kohl nur nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten auf den Standort Gorleben kam oder ob ganz andere Gründe eine Rolle spielten.
Der Bembeskanzler pflegte ja auf eine Weise zu agieren, die geradezu ideal war, später untersucht zu werden. Wünschenswert wäre eine aktuelle Betrachtungsweise denn unser Bundesumweltminister Norbert Röttgen lässt ja wieder prüfen, ob man den bundesdeutschen Atommüll nicht doch in Gorleben auf Halde kippen kann. Seine Sicht der Dinge soll, geht es nach Unionschristen aus Bayern oder Baden-Württemberg, auch heute nicht nur wissenschaftlich sein. Sein leises Ziel, nicht nur Salzstöcke, sondern auch Ton- oder Granitformationen in Erwägung zu ziehen, brachte offenbar bereits unionschristliche Landespolitiker auf den Plan: Die wollen das Zeug auf keinen Fall bei sich im Wahlkreis, auch nicht im Nachbarwahlkreis oder später im Geschichtsbuch lesen müssen, dass ihre Partei das Teufelszeug ins Land oder gar ins Ländle ließ.
Im Grunde würde Gorleben allen am besten ins Konzept passen: Ort und Region haben sich daran gewöhnt, zur Müllkippe bestimmt zu sein. Man hat schon lange genug daran gearbeitet, Ortsansässigen Widerstand zu diffamieren, an allen neuen Standorten müsste man wieder von vorn anfangen.
Der Staat hat schlechte Erfahrungen mit dem Atom gemacht: Plötzlich tun sich da Gegensätze auf, die Niemand vermuten mochte und Bürger werden zu Gegnern, von denen jeder politische Stubenhocker angenommen hätte, dass sie auf seiner Seite sind.
Wenn es um Heimat geht, können die Menschen plötzlich richtig komisch werden und wer den Frieden der Heimat bewahren will, hat beim Wählen plötzlich eine grüne Alternative. Die bundesdeutsche Atompolitik war keineswegs unschuldig daran, dass eine neue Partei im Bundestag sitzt und offenbar grünt, blüht und gedeiht.
Es ist eine seltsame Geschichte mit dem Atom, gerade für die Union. Sie gilt als konservativ und nicht nur als reine Wirtschaftslobby. Konservativ zu sein offenbart den Hang dazu, bewahren zu wollen. Heimat zu bewahren gilt als honorig, nicht nur in Heimatfilmen sondern auch in der Union, gern besonders rührend in Wahlkampzeiten.
Wer aber mit atomarem Müll rumspielt, vermint das Betreffende Gebiet auf Jahrtausende.
Gewiss: Das atomare Endlager schafft auch Arbeitsplätze. Gorleben braucht mit Sicherheit für die nächsten hunderttausend Jahre einen Hausmeister und eventuell auch einen Klempner oder den einen oder anderen Wachmenschen, Putzkolonne, Lohnbuchhalter, Sekretärin und, natürlich, einen Chef. Arbeitsplätze auf der Kiste des toten Mannes.
Es ist einfach ne blöde Sache, dass diese blitzsauberen Atomkraftwerke irgendwie nicht so ganz sauber sind, wie die Werbeprospekte das immer darstellen. Politiker lieben diese angeblich Krisensichere Stromversorgung, Sicherheitspolitiker ticken aus, wenn sie an Flugzeuge denken, die sich auf Atommeiler stürzen und Visionäre wollen Schutztruppen die verhindern, dass künftige Terroristen sich auf der Müllkippe mit Spaltmaterial versorgen.
Ach, der geneigte Leser merkt gewiss, dass meine Offenheit gegenüber der Atomenergie ehr verschlossen ist. Ich habe Kinder, ich darf also nicht müde werden, den Keim des Zweifels an dieser zwar faszinierenden, in der havarierenden Konsequenz aber verheerenden Technik zu sähen.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass der neue Untersuchungsausschuss viel Neues zu Tage fördern wird, allenfalls findet man Akten oder Zeugen die belegen, dass Kohls Regierung damals die Atommüllhalte an den wenig besiedelten Rand der Republik schieben wollte. Das war dann wenig wissenschaftlich aber ungemein praktisch. Die Weitsicht jener Tage, das sehen wir auch ohne Ausschuss, hat sichtlich nicht dazu getaugt zu sehen, dass die Randlage des Standortes ganz plötzlich mitten drin liegen könnte.
Für mich ist an diesem Thema nicht so furchtbar interessant, ob man damals wissenschaftlich oder nur politisch nach einem Standort suchte. Helmut Kohl hatte weder einen Kopf für wissenschaftliches Denken noch den Willen Andres zu tun als es seinem politischen Kalkül entsprach. Das ist weder neu noch überraschend, er selbst pflegt ja ohnehin einen Blackout zu haben, wenn es peinlich wird.
Nein, Gorleben zeigt eindrucksvoll, wie kurzlebig langfristige Entscheidungen vorgeblich heimatverbundener Regierungen sein können. Dass Honecker und Krenz plötzlich die DDR dicht machen und die Grenze abreißen, konnte doch keiner ahnen, oder?
woe 29.03.2010
Philipp Rösler, der leise Mann aus Niedersachsen hat sich daran gemacht, die Kosten der Arzneimittel zu bremsen. Absichtsvoll schreibe ich noch nicht senken denn schon der kleinere Begriff dürfte nicht leicht zu realisieren sein.
Während andere Minister der schwarz-gelben Regierung noch verbissen das Stolpern und Zanken üben, schreitet der flinke aus dem Norden voran und setzt auf zielorientierte Verhandlungen, mit den Koalitionspartnern ebenso wie mit den Beteiligten dieses Milliardengeschäftes.
Im Augenblick schaut es so aus, als habe er eine echte Chance, sein Vorhaben im Einklang mit den Koalitionären auf den Weg zu bringen. Schon das ist eine Leistung, auch, wenn es eigentlich selbstverständlich sein sollte, dass Koalitionspartner sich einigen können. Ein erster Erfolg wird sichtbar und sympathisch ist, dass der Mann darüber nicht zum Größenwahn neigt. Sein öffentliches Getöse hält sich in Grenzen. Medienbewusste Politiker wie Karl-Theodor zu Guttenberg oder unser allseits hochbrisant geschätzter Außenminister Guido Westerwelle hätten dazu gewiss mehr Radau gemacht.
Nun bin ich gezwungen, mich auf derart atmosphärische Aussagen zurück zu ziehen. Vom Thema Medikamentenpreise habe ich kaum einen Schimmer. Die Aussage allein, dass die zu teuer sind, hat keinerlei Gewicht, das gilt nämlich grundsätzlich für Alles, was ich erwerben muss. Die Behauptung, dass etwas viel zu teuer ist, was wir kaufen müssen, folgt einem natürlichen, unabwendbaren Lamentogesetz.
Natürlich habe ich versucht mich kundig zu machen und von den Sprechern der Pharmaindustrie erfahren, dass die gewiss unschuldig daran sind, dass unser Gesundheitssystem ausgerechnet an den Arzneimittelkosten krankt. Grundsätzlich krankt das Gesundheitswesen ja daran, dass die Betroffenen von ihrer Gesundheit so weit entfernt sind, wie die Medikamentenpreise von ihren Gestehungskosten. Das ist beides nicht sehr gesund.
Philipp Rösler hat sich offenbar nicht damit aufgehalten, politisch abzuwägen, wo er am besten mit seiner Arbeit beginnt, um dabei besonders gut durch zu kommen. Er hat einfach angefangen die Arbeit zu tun, die ansteht. Eine Haltung die unsere Aufmerksamkeit braucht denn nur, wenn wir Wähler darauf reagieren, dass die Gewählten ihren Job machen, machen selbst die den ihren, die sonst nicht so sehr dazu neigen, etwas für Andere zu tun, auch nicht für die Wähler die sie wieder wählen sollen.
Politiker wollen aber wieder gewählt werden also kann man ihnen durchaus beibringen, dass sie was für sich tun, wenn sie was für das Volk tun, das sie zu vertreten vorgeben.
Philipp Rösler hat aber noch einiges vor sich. Jetzt muss sich zeigen, wie er damit fertig wird, dass sein keimender Erfolg der Erosion durch umtriebige, bisweilen auch durchtriebene, in jedem Fall aber monetär angetriebene Lobbyisten ausgesetzt wird. Wenn ich ihm dabei viel Glück wünsche ist das ausgesprochen egoistisch: Wenn er es schafft, haben wir was davon.