laesterwelle.de

woe 01.02.2010

Neuer Monat und alle alten Artikel im Archiv

Neue Struktur? Noch immer keine Zeit!

Die alten Artikel sind nicht verschwunden, die stecken im Archiv ( hier ... ).

woe 01.02.2010

Zahlenspiele, für und wider Westerwelle

SPIEGEL ONLINE ist nett zur FDP

DER SPIEGEL ist richtig nett zur FDP. Schaut man zu SPIEGEL ONLINE, findet man unter der Überschrift "Deutsche geben FDP-Ministern schlechte Noten" 1).

Nachdem in dieser Woche die ersten hundert Tage der schwarz-gelben Bundesregierung vollendet wurden, hatte Emnid 2) über tausend ausgewählte Bundesbürger um die Benotung der Köpfe in unserer Regierung gebeten. Für das Spendenprodukt FDP fiel das Ergebnis nun nicht eben schmeichelhaft aus.

Gleichwohl entschloss sich SPIEGEL ONLINE zur eher nüchternen, weniger gemeinen Darstellung der Ergebnisse. Die freundlichen Hamburger sortierten die Liste fein nach positiven Prozenten. Sie unterstrichen damit allenfalls den weder in Union - noch in der FDP gewollten Vorsprung der jungen Guttenberg:

Ergebnisse, sortiert nach positiven Prozenten, absteigend (Beliebtheit voran):

Name Amt Partei %
positiv
%
negativ
Karl- Theodor zu Guttenberg Verteidigungsminister CSU 65 24
Angela Merkel Bundeskanzlerin CDU 61 34
Wolfgang Schäuble Finanzminister CDU 51 38
Norbert Röttgen Umweltminister CDU 40 33
Ursula von der Leyen Arbeitsministerin CDU 51 32
Kristina Köhler Familienministerin CDU 46 22
Guido Westerwelle Außenminister FDP 41 47
Ilse Aigner Landwirtschaftsministerin CSU 39 24
Thomas de Maiziére (CDU) Innenminister CDU 39 27
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Justizministerin FDP 38 27
Annette Schavan Bildungsministerin CDU 38 37
Peter Ramsauer Verkehrsminister CSU 34 31
Philipp Rösler Gesundheitsminister FDP 31 47
Dirk Niebel Entwicklungshilfeminister FDP 25 27
Rainer Brüderle Wirtschaftsminister FDP 21 38

Guido Westerwelle liegt freundlich im Mittelfeld und dächte man sich die Spalte "% negativ" einfach weg, sähe das richtig nett aus. Kein Mensch hätte erwartet, dass Westerwelle an die Spitze gelangen könnte. Dass aber nun ausgerechnet dieser zu Guttenberg da rumlungert, wird ihn dann doch etwas grämen können, denke ich mir so.

Guido Westerwelle liegt bei der Beliebtheit unserer amtierenden Minister im guten Mittelfeld, ein wackerer Mann.

Macht man sich nun jedoch die Mühe und sortiert einmal nach der Unbeliebtheit, stellt also jene Persönlichkeit die die Meisten Befragten als Unbeliebt eingestuft haben, nach vorn, kommt ein deutlich weniger schmeichelhaftes Bild dabei heraus:

Ergebnisse, sortiert nach negativen Prozenten, aufsteigend (Unbeliebtheit voran):

Name Amt Partei %
positiv
%
negativ
Guido Westerwelle Außenminister FDP 41 47
Dirk Niebel Entwicklungshilfeminister FDP 25 27
Philipp Rösler Gesundheitsminister FDP 31 47
Rainer Brüderle Wirtschaftsminister FDP 21 38
Wolfgang Schäuble Finanzminister CDU 51 38
Annette Schavan Bildungsministerin CDU 38 37
Angela Merkel Bundeskanzlerin CDU 61 34
Norbert Röttgen Umweltminister CDU 40 33
Ursula von der Leyen Arbeitsministerin CDU 51 32
Peter Ramsauer Verkehrsminister CSU 34 31
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Justizministerin FDP 38 27
Thomas de Maiziére Innenminister CDU 39 27
Ilse Aigner Landwirtschaftsministerin CSU 39 24
Karl- Theodor zu Guttenberg Verteidigungsminister CSU 65 24
Kristina Köhler Familienministerin CDU 46 22

Nun liegt Westerwelle deutlich vorn und die Männer FDP bilden einen geschlossenen Block. Positiv ausgedrückt: Die FDP-Minister liegen in der Unbeliebtheit geschlossen vorn!

Es ist natürlich gemein, die Gewichtung der Spalten einer Tabelle gegeneinander auszutauschen, bis sich Ansichten ergeben, die einem gefallen. Statistiken sind eben Huren mit denen man nur geschickt umgehen muss. Politiker machen sowas täglich, ich eifere nur nach, im gemein sein. Ob ich meine Vorbilder in dieser Sache wohl erreichen werde?

Wenn wir denn nun schon mit den Ergebnissen spielen und Westerwelle der Sieger bei der Jagd nach der höchsten Ablehnung ist, will ich auch wissen, ob man sein Ansehen nicht retten kann, indem die positiven Prozente gegen die negativen gestellt werden.

Hier also die positive Votierungen in Prozenten, für jedes negative Prozent:

Aufwiegen, positive, für jede nagative Stimme in Prozent:

Name Amt Partei %
positiv
  %
negativ
  =
Karl- Theodor zu Guttenberg Verteidigungsminister CSU 65 / 24 = 2,7
Kristina Köhler Familienministerin CDU 46 / 22 = 2,1
Angela Merkel Bundeskanzlerin CDU 61 / 34 = 1,8
Ilse Aigner Landwirtschaftsministerin CSU 39 / 24 = 1,6
Ursula von der Leyen Arbeitsministerin CDU 51 / 32 = 1,6
Thomas de Maiziére Innenminister CDU 39 / 27 = 1,4
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Justizministerin FDP 38 / 27 = 1,4
Wolfgang Schäuble Finanzminister CDU 51 / 38 = 1,3
Norbert Röttgen Umweltminister CDU 40 / 33 = 1,2
Peter Ramsauer Verkehrsminister CSU 34 / 31 = 1,1
Annette Schavan Bildungsministerin CDU 38 / 37 = 1,0
Dirk Niebel Entwicklungshilfeminister FDP 25 / 27 = 0,9
Guido Westerwelle Außenminister FDP 41 / 47 = 0,9
Philipp Rösler Gesundheitsminister FDP 31 / 47 = 0,7
Rainer Brüderle Wirtschaftsminister FDP 21 / 38 = 0,6

Wieder gewinnt Karl-Theodor zu Guttenberg, dieser böse Lümmel. Die Herren der FDP bilden wieder einen geschlossenen Block und kommen als Schlusslichter davon. Es fällt auf, dass Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sich deutlich und positiv von der Männerriege ihrer Partei absetzt.

Nun hat die FDP also zu tun, ihre Auftraggeber davon zu überzeugen, dass sie bei den nächsten Wahlen eine Chance haben und Spenden lohnende Anlagen sein können. Leistung muss sich wieder lohnen, schlechte Leistungen werden aber bestraft und manchmal ergibt die Forderung "mehr Netto fürs Brutto" mehr Strafe, also weniger Spenden.

Links aus dem Text:

1) SPIEGEL ONLINE: "Deutsche geben FDP-Ministern schlechte Noten" (Link vom 01.02.2010)
2) Eintrag bei Wikipedia: TNS Emnid (Link vom 01.02.2010)
2) tns emnid (Link vom 01.02.2010)

woe 02.02.2010

Gordon Brown lädt ein, Papst nimmt an und stänkert

Katholische Abneigung gegen schwule Buchhalter und lesbische Putzfrauen

Sexuelle Orientierung ist für Fundamentalisten ein echtes Problem, ganz gleich um welches Fundament es gerade geht. Papst Benedikt XVI weiß das, er ist Fundamentalist, von Berufs wegen. Spezialgebiet: Katholischer Fundamentalismus.

Die bösen Briten, trotzig auf ihrer Insel sitzend und ohnehin reichlich unkatholisch, laborieren gerade an einem Gleichstellungsgesetz herum. Hier bietet sich auch endlich Gelegenheit, brüderliche Eintracht zwischen anglikanischen - und katholischen Betonköpfen zu üben: Beide haben was dagegen Lesben oder Schwule einzustellen. Keine gleichgeschlechtlich fühlenden Priester, keine Verwaltungsangestellte und, wenn es um die Reinheit des Glaubens geht, auch keine Putzfrau, basta!

Ich denke, da ist auch der Punkt. Ich kann zwar nicht verstehen, dass Kirchen Probleme damit haben, weibliche Menschen, ganz gleich welcher geschlechtlichen Orientierung, Priesterjobs zu geben, ahne aber, dass das Probleme macht und bin geneigt, denen das zu lassen. Solange genug Mädels in die katholische Kirche gehen, müssen die Katholen nicht darüber nachdenken, Mädels Priester werden zu lassen. Deutsche Evangelen tun sich da leichter, haben die doch Margot Käßman auf ihren Schild gehoben und die schlägt sich wacker und honorig. Sie mischt sich inzwischen gar erfolgreich in die Kriegspolitik unseres Landes ein und erntet damit Prügel aus der politischen Kaste, ein gutes Zeichen, wie ich meine.

Die Anglikaner und die offiziellen Katholen mögen sich aber nicht vorschreiben lassen, ihren Angestellten keine Vorschriften machen zu dürfen. Die wollen Schwule entlassen können und Lesben auch. Und der Papst mag seinen Senf dazu geben, wenn ein weltlicher Staat seinen fundamentalistischen Grundsätzen zu widersprechen wagt.

Nun hat sich Benedikt halt bei den Bewohnern der großen, Europa benachbarten Insel gemacht, weil er seinen fundamentalistischen Funktionären, englischen und walisischen Bischöfen, in Rom klar gemacht hat, dass die zu Hause nun gegen religiöse Diskriminierung Sturm laufen sollen. Immerhin schränkt es die Glaubensfreiheit ein, wenn man plötzlich nicht nach der sexuellen Orientierung fragen darf, wenn man eine Putzfrau einstellt.

Schlimm genug, dass die europäischen Staaten sich erdreistet haben, diese reinigenden Veranstaltungen mit den Hexenverbrennungen abzuschaffen. Das war auch ein schwerer Schlag gegen den Glauben, nun sollen Lesben plötzlich Buchhaltung machen dürfen, pfui!

Mein Gott, was hast Du doch für seltsame Geschöpfe auf Deinen Erdball gesetzt, müssen die immer zanken, wenn die bei Dir arbeiten?

Gordon Brown was letztes Jahr in Rom, Privataudienz bei Benedikt. Brown hat den römischen Oberpriester eingeladen und Pech gehabt: Der Papst nimmt die Einladung jetzt an und ergreift prompt Partei gegen Brown. Ich an Browns Stelle würde in Urlaub fahren, wenn der Kerl kommt.

woe 06.02.2010

Bundesdilletattenstadel in der Startphase

Hundert Tage Regierung, hundert Tage Opposition

Hundert Tage sind vorüber, Angela Merkel sitzt zum zweiten Mal im Kanzlersattel und muss einen Sack Flöhe hüten. Zusammen nennen sich diese Flöhe Regierung, Bundesregierung und es sind zum Teil echte Kampfflöhe die da zusammen regieren sollen.

Die Hotelbranche hat inzwischen bekommen, wofür sie die FDP mit Spenden bedacht hatte, Andere warten noch aber die Zahlen für Guido Westerwelles Mövenpicktruppe bröckeln. Mit jedem Prozentbruchteil den er verliert, sinkt auch sein Spendenmarktwert.

Während die FDP sich also immer deutlicher als Klientelpartei empfiehlt und damit für den Rest der Bevölkerung zur Bedrohung wird, hat sich der junge Mann aus Bayern behauptet. Zu Guttenberg hat die bombardierten Tanklaster zum Anlass genommen, sich stolpernd einzuführen. Er hat in der Amtseinführungseile Fehler gemacht und doch wird in den Köpfen und Herzen seiner Soldaten der Eindruck hängen bleiben, dass er sich vor sie gestellt hat. Auf die Dauer zählt allein das.

Und, bitte, bedenken wir, dass deutsche Soldaten zum Kämpfen und zum Töten in Afghanistan stehen. Wer mit dem Auftrag in eine Krisenzone geht, weiß auch, dass er im Zweifel auch am Ort seines Todes eingetroffen ist. Augen, die dem Tod ins Auge sehen, sehen die Welt hernach anders und haben einen wachen Blick für die, die sich um sie kümmern. Übrigens auch für die, die es nicht tun.

So kann also zu Guttenbergs Geste gegenüber seinen Soldaten leicht dazu führen, dass das Volk bei ihm fühlt, dass er einer ist, der sich tatsächlich kümmert. Aus seinem vorschnellen Schritt für den Oberst kann so politisches Kapital werden, ist es womöglich schon.

Es wurde gemunkelt, man habe ihn als Verteidigungsminister an den Rand drängen wollen, damit der Junge nicht zu schnell zu groß wird. Möglicherweise hat man (oder frau?) diese Überlegung zu spät angestellt.

Aber, nicht nur die Regierung hat hundert Tage hinter sich. Die Opposition ist ebenso lang im Amt.

Steinmeier, der selbsternannte Oppositionsführer, führt diesen Titel wohl ebenso berechtigt, wie den des Kanzlerkandidaten. Für mich sind beide Anliegen gleich aussichtslos. Die Hülse Steinmeier ist Geschichte, keine rühmliche, aber Geschichte. Offenbar weiß er das noch nicht, aber ich bin nicht der Meinung, dass er Dinge zu Kenntnis nimmt, die ihm nicht von kompetenter Seite gesagt werden. Als Angela Merkels Vize war er wesentlich praktischer als Westerwelle, vertrauen tue ich beiden gleich, aus unterschiedlichen Gründen. Dumm, wenn der zweite Mann nicht mal zweite Wahl ist.

Dafür ist Oscar mal wieder von der Bildfläche verschwunden. Gewiss, Respekt vor seiner Krankheit habe ich schon. Vor zwei Jahren verlor mein engster Freund sein Leben durch sie. Bei Oskar Lafontaine habe ich aber immer so unwirkliche Eindrücke, wenn er wieder ordentlich die politische Welt aufgemischt hat und danach verschwindet. Mir wird er als der in Erinnerung bleiben, der nicht standhalten kann- oder will, so sehr ich auch zu glauben versuche, dass ihn diesmal eine Krankheit und nicht sein normales Gebaren leitete. Gregor Gysi hat lang, beinahe zu lang, zu ihm gestanden. Logisch, konsequent, er wird es überstehen.

Aber: Die Opposition hat noch keine Figur gefunden, die fürs Volk an der Spitze der Opposition gefühlt wird.

So richtig schlimm finde ich das nicht. Wo einer groß ist, sind die Anderen drum herum meist klein und wir können es wohl gut brauchen, dass viele Köpfe mit Kompetenz und Gehör beim Volk auf die Arbeit der Regierung sehen.

Der Bananenrepublikaner Sigmar Gabriel, der Harzer Roller an der neuen Spitze der SPD ist noch zu erwähnen. Gabriel ist ein Politiker mit hinreichendem handwerklichem Geschick, einer weinenden SPD den Heilsbringer zu mimen. Dumm ist nur, dass "die Menschen draußen im Lande" ihm nicht wirklich über den Weg trauen. Wie hörte ich kürzlich am Gemüsestand auf dem mainzer Markt als eine alte Dame zu einer anderen spach? "Der ist so glitschig...!"

Die SPD wird die Episode Gabriel überstehen, nach ihm wird sie aber ein anders Gesicht haben und um erstaunliche Erfahrungen reicher sein.

100 Tage neue Machtverhältnisse in Deutschland. Für mich schälen sich zwei Namen heraus, die diese hundert Tage positiv prägten. Der eine ist noch immer zu Guttenberg. Der Andere Schäuble.

Der Mann war ein gefährlicher Innenminister, spendenaffärengebrannter Kämpe der CDU und zugleich ein Mann dem ich glaube, dass er gewissenhaft seinen Job macht. Dieses Gewissen im Finanzministerium zur Arbeit zu schicken scheint mir eine weitaus bessere Idee als dessen Akribie, Zielstrebigkeit und bisweilen auch heftig sture Instinktarmut an die Innenpolitik zu lassen. In diesem Job hoffe ich auf ihn.

In jedem Fall hat Merkel hier eine Truppe beisammen, die in schwerem Gelände auch mal richtig in die Pfützen geht... und darin liegen bleibt. Die Truppe holpert, streitet und macht bisweilen voller Inbrunst den Dilletattenstadel, aber das bekommen sie überzeugend hin.

woe 07.02.2010

CD-Shopping

Gewagter Bogen vom Dominikaner Tetzel zur FDP

Der Ankauf heikler Silberlinge ist inzwischen unter Steuerfahndern eine wohl gelittene Übung. Eine neue Gruppe CD-Shops entwickelt sich da gerade.

Im Zeitalter der EDV ist es auch einfacher geworden, dieses spezielle Geschäft zu betreiben. Der Kopierbefehl ist leichter unbemerkt zu realisieren als meterlange Abschriften.

Nachdem der Ankauf einer Steuersünber-CD in NRW bereits beschlossene Sache ist, gibt es in Baden-Würtemberg liberale Bauchschmerzen bei der Mövenpick-Partei.

Dort in Stuttgart ist der FDP-Mensch Ulrich Goll Justizminister und der hat dubiose Ängste vor dubiosen Geschäften mit dubiosen Leuten die dubiose Motive haben. Goll sieht die Landesregierung vor dem Eintauchen in unwägbare Grauzonen, pfui!

Nun bin ich mir noch nicht klar, warum Guido Westerwelles Justizstadthalter in Stuttgart zu erhebliche Probleme hat. Welche Spendenakquisestrategie steckt dahinter? Könnte es, rein marktstrategisch, nicht besser sein, die CD kaufen zu lassen und dann furchtbar los zu lärmen?

Ich mein, wenn dann schon Steuern ausgegeben wurden, so was um 500.000 sind wohl im Gespräch, kann man doch ganz entspannt mit rechtlichen Bedenken kommen. Gewiss, kann man jetzt auch aber danach hat man auch noch den Bund der Steuerzahler auf seiner Seite, wenn man geschickt ist. Ist aber auch nicht verkehrt, gleich zu Anfang mal los zu tröten, öffentlich, versteht sich. Dann hält man hier und da mal an entscheidenden Stellen die Füße still, damit das Geschäft über die Bühne geht und fängt dann wieder richtig an zu holzen, wenn es an die Auswertung geht.

Dann gräbt man das liberale Herz aus, denkt laut über Rechtsstaatlichkeit nach, lässt ein paar übrig gebliebene Liberale von der Leine, also keine neoliberalen sondern welche von denen die über Bürgerrechte und nicht nur über Geldrechte nachsinnen. Die neoliberalen machen natürlich kräftig mit, tröten los und an geeigneter Stelle fangen die dann an zu jammern, wie sehr ihnen doch das nötige Geld fehlt, diese Kämpfe auch durch stehen zu können.

Wenn das Geld im Kasten klingt ... Tetzel war das damals, oder? Johann Tetzel, der war aber nicht in der FDP, die gab es Ausgang fünfzehntes, Anfang schezehntes Jahrhundert noch nicht, er war Dominikaner und Ablasshändler.

Also: Wenn das Spendengeld im Kasten klingt, die FDP zur Rettung der Bürgerrechte springt... reim Dich oder ich freß Dich!

Nun aber einmal fort von den Geschäftsfeldern der FDP und hin zur Sache.

Stimmt schon, es ist heikel, jemandem für eine bedeutende Summe Daten abzukaufen, der diese Daten gegen den Willen ihrer Urheber erworben hat. Keiner der deutschen Steuersünder hat je ein Geschäft mit einer auswärtigen Bank abgeschlossen, ohne Diskretion vereinbart zu haben. Es ist schon verdammt böse von unserem Staat, zum Beispiel für 2,5 Millionen Euro ne Datensammlung zu kaufen, mit deren Hilfe fünfhundert Millionen Euro Steuern eingetrieben werden können.

Nicht nur, dass das ne verdammt geile Gewinnspanne ist, nach der sich die neoliberale Klientel alle Finger lecken würde, es ist womöglich auch im Sinner verdammt vieler Steuerzahler im Land, die ihre Abgaben zahlen.

Mir geht es langsam aber sicher zu weit, dass im Sinne des Gewinnstrebens alles erlaubt sein soll und der Rest, die, die reell leben und handeln, zu Blödmännern degradiert werden.

Gewiss, ne Partei, die gerade den Beinamen Mövenpick-Partei erhalten hat, wird sich moralisch schwer tun, überhaupt über die Ethik in einer Gesellschaft nachzudenken. Mir will aber schienen, dass es Zeit wird, dass wir alle darüber nachdenken, nach welchen Regeln wir leben wollen, in unserem Gemeinwesen.

Ich bin jedenfalls dafür, dass wir den Deal machen, wir, die Gesellschaft.

Wir haben uns als Volk zu einem Staatswesen zusammen getan, wir zahlen Steuern, damit es Straßen, Krankenhäuser, Schulen und dergleichen gibt. Wir schaffen gemeinsam Infrastruktur, damit Leben und Wirtschaft möglich werden. Wer ausschert, die Gemeinschaftsleitungen in Anspruch nimmt und selber aber seinen Teil verweigert, muss damit rechnen, dass man ihm auf die Schliche kommt und auf dei Finger klopft.

Wenn wir dann einen dafür bezahlen müssen, der gegen den Willen seines Chefs die Datend der Steuersünder verkauft, ok, dann tun wir das. Danach gibt es einen besser Verdienenden mehr und der kann dann zur Abbitte bei der FDP spenden gehen ... wenn das Geld im Kasten klngt, seine Seele aus dem Fegefeuer spriungt, tralala, tralali.

woe 07.02.2010

laesterwelle.de stellt das Schanghaien von Lersern ein

Anzeahl der Personen die laesterwele.de freiwillig lesen > 1!

Mit Erstaunen kann ich feststellen, dass sich unter die wenigen laesterwelle-Leser bisweilen Leute mischen, die ich nicht persönlich kenne.

Abgesehen also von einigen Freunden und meinem Sohn, mit denen ich immer mal darüber rede, gibt es tatsächlich weitere Leser, Fremde, prima!

Von diesen Fremden habe ich doch tatsächlich zu zwei Themenkreisen direkte Reaktionen bekommen. Das eine ist Erika Steinbach, jene resolute Blondine, die dem Bund der Vertriebenen vorsteht und bei der ich den Eindruck nicht los werde, dass sie gern die Geschichte etwa so umdeuten mag, dass Deutschland dabei deutlich besser weg kommt, womöglich gar in der Opferrolle da steht.

Um ihretwillen fand ein reifer Herr mit ostpreußischem Sprachverhalten meine Telefonnummer heraus und schaffte es gar, mich zu erreichen. Er redete mir ins Gewissen und suchte mich davon zu überzeugen, dass die Frau Steinbach doch eine gute Frau sei.

Nein, es war keiner dieses üblen Burschen die anonym ins Telefon brüllen, der Mann war kultiviert. Auf durchaus kultivierte Weise mussten wir dann auch darin überein kommen, dass wir die Welt aus reichlich unterschiedlichen Blickwinkeln sehen. Hut ab, ich hatte im ersten Augenblick Anderes befürchtet, werde mir aber eines Tages mal die Landschaft ansehen, von der er im Verlauf unserer Unterhaltung so sehr schwärmte. Er wuchs im Osten auf und die Nazis haben seine Heimat verspielt.

Der zweite Themenkreis dreht sich um meine Position zur deutschen Sozialdemokratie. Die Reaktionen sind deutlich Zahlreicher als jene auf meine Worte über Erika Steinbach. Ich glaube auch ganz sicher, dass die SPD wichtiger ist als Frau Steinbach mit samt ihrem BdV.

SPD-Funktionäre sind vorsichtig, zu Münteferings Zeiten wurden die Kaderleiter schon mal deutlicher als heute. Meine Lieblingsgesprächspartner mit sozialdemokratischem Hintergrund haben aber durchgehend ein unbehagliches Gefühl wenn sie an ihre Partei denken. Viele liebäugelten immer mal mit der Linken, Oscar stieß die aber oft mehr ab als die SED-Vergangenheit der PDS-Komponente.

Wie ich zur Sozialdemokratie stehe, weiß ich um Grunde selbst nicht mehr so genau. Ich konnte sie im vergangenen Jahr nicht mehr wählen, das war sicher. Dabei war das keineswegs meine Reaktion auf die Agenda 2010, ich rechne der Partei sehr wohl an, dass sie es gewagt hat, Reformen anzupacken, wo Reformen hohe Zeit waren. Ganz gleich, was dabei wirklich heraus gekommen ist.

Übler nehme ich der Sozialdemokratie schon, dass sie ihre Agende dann durchboxte, indem viele Funktionäre darauf verzichteten Harz IV zu erklären. Sie machten einfach mit, die Betroffenen in eine ganz bestimmte Ecke zu stellen, Ausgrenzen und herabwürdigen war eben bequemer. Auch jenen Exoffizier an der Spitze der Arbeitsagentur nehme ich ihr übel. Instinktlosigkeit ist unverzeihlich. Einem Pfarrer lässt man es auch nicht durch gehen, wenn er plötzlich nen Puff aufmacht.

Wie an meinen Artikeln aber wohl zu bemerken ist, bekomme ich es nicht auf die Reihe, einem Lager anzugehören. Mein Interesse am Werdegang des jungen zu Guttenberg ist manchem Genossen gewiss peinlich und meine Hoffnungen die ich in Schäuble setze nicht nur Sozialdemokraten sonder vielen jungen Kollegen aus der EDV, die ihn als Datengeilen Innenminister wirklich nicht zu schätzen gelernt haben.

Schön ist, dass laesterwelle.de also tatsächlich gelesen wird. Von Einzelnen nur und doch gewinne ich auf diese Weise Gesprächspartner, mit denen ich mich austauschen kann.

Einige hätte ich ohne laesterwelle.de nie kennen gelernt. Und ich kann aufhören, Leser mühsam zu schangheien.

woe 07.02.2010

Lichtensteiner Gericht übt Service am Kunden, die FDP auch?

Ulrich Goll (FDP) kämpft nicht gegen ein Image, er Zeigt den Mut ihm zu entsprechen

Ulrich Goll, FDP und zugleich Justizminister in Baden-Württemberg, zeigt Rückgrad, der Mann bleibt standhaft.

In einer Anwandlung nahezu hellseherischer Klarheit hat er sehr wohl erkannt, dass die FDP gerade mal wieder in den Ruch geraten ist, eine Klientelpartei zu sein. Die Angst um das derart ramponierte Image seiner Partei hindert ihn aber nicht daran, seine Pflicht zu tun und Rechtstaatlichkeit zu üben.

Rechtstaatlichkeit zu üben ist übrigens Pflicht für deutsche Politiker.

Goll übt seine Rechtstaatlichkeit, indem er glauben machen will, dass es Unrecht ist, dem deutschen Fiskus Steuersünder zu verraten.

Er begründet seinen Standpunkt wohl damit, dass das Verraten deutscher Steuersünder an den deutschen Fiskus in Lichtenstein ausdrücklich verboten ist. Wobei zu bemerken ist, dass Lichtenstein das keineswegs so speziell sieht, ich denke, die sehen das so für alle Staaten, es sei denn für den eigenen.

In salopper Stimmung neige ich dazu, Lichtenstein als Nest zu betrachten, das ein einträgliches Geschäft daraus gemacht hat, Sünder abzuzocken und im Übrigen straffrei ziehen zu lassen. Da es aber diverse Nester dieser Art gibt, hat man sich was einfallen lassen und lockt die Sünder auch noch mit Renditen.

Wie dem auch sei, Lichtenstein lebt unter Anderem sehr gut davon, dass es Rechtsbrechern gezielt erlaubt, die gemachte Beute dort zu versilbern.

Es wird übrigens künftig noch besser davon leben, weil es eben einfach teurer ist, Bankkonten anzubieten, deren Daten nicht mehr geklaut werden. Die Renditen unserer Steuersünder werden sinken... so ein Pech aber auch!

Da wären wir aber auch schon wieder bei der FDP, der Partei der besser Verdienenden. Nur besser Verdienende kommen überhaupt in die Situation, lohnenswert Steuern zu hinterziehen. Und ich würde die FDP nicht mehr wählen, wenn die sich nicht schützend vor mich stellen würde. Spenden würde ich ihr dann schon überhaupt nicht.

Da lobte ich mir Lichtenstein und seine Gerichte. Eines von ihnen hat einem deutschen Steuersünder Entschädigung zugesprochen, dessen lichtensteiner Bank ihm nicht früh genug gesagt hatte, dass Seine Daten geklaut wurden und auf dem Weg zum deutschen Fiskus waren. Hätte die Bank ihm frühzeitig Nachricht gegeben, dann hätte er sich stellen können. Die so entstandenen Mehrkosten muss nun die Bank tragen.

Das nenne ich Service am Kunden, in Lichtenstein und bei Ulrich Goll.

woe 09.02.2010

Katholische Priester, Hirten oder Wölfe im Hirtenpelz?

Wer wider die Sünde predigt, sollte sich dran halten

Wer laut und öffentlich wider die Sünde predigt, wirkt weitaus glaubwürdiger, wenn er selbst von der Sünde läst.

Treffen wir heute auf einen katholischen Geistlichen, wissen wir leider nicht, ob wir einen Hirten oder einen Wolf im Hirtenpelz vor uns haben. Sexueller Missbrauch, Gewaltexzesse und das in diversen Einrichtungen der katholischen Kirche, in Irrland, in den USA und auch hier.

Betroffene: Kinder!

Da wurden Kinder missbraucht und über Lebensspannen deckte sich der kirchenamtliche Mantel des Schweigens über das Grauen. Es ist jedoch noch immer zu befürchten, dass die Kirchenamtlichen Entscheidungsträger mal wieder mehr darauf setzen werden, das Große und Ganze zu schützen. Dass das zufällig auch der bequemste Weg ist, ist natürlich reiner Zufall.

Das Große und Ganze muss immer herhalten, wenn vernünftige Gesichtspunkte längst Anderes gebieten.

So fürchte ich, dass auch diesmal Benedikt und die Seinen ums das Wohl der barmherzigen Kirche besorgt sein werden und sich für all die vielen Gläubigen verantwortlich erklären, die ohne die tunlichst unbefleckte Kirche nicht leben können. Flecken kann man rein waschen, mit Geld, mit guten Worten aber man darf nicht zu viel Aufhebens um die Opfer machen. Das gibt schlechte Presse, macht einen schlechten Eindruck.

Andernorts nennt man das Korpsgeist und man heißt den auch nicht gut.

Es wird womöglich Geld geben, gab es in den USA und Irrland auch schon, es wird gute Worte geben und es wird die eine oder andere Werbestrategie ersonnen und bezahlt werden, um das Thema aus der Welt zu schaffen.

Werden die Wölfe in den Hirtenpelzen lernen, dass sie die Finger von kleinen Jungen lassen sollen oder wird die Kirche ihnen einmal im Monat einen Besuch im Puff bezahlen, als Triebabfuhr, damit nichts passiert?

Wer die Welt so Lust- und Körperfeindlich zu halten sucht, wie es diese Kirche tut, muss sich auch Gedanken über die unerwünschten Folgen machen. Da sich solche Dinge nun in der katholischen Kirche zu häufen scheinen, sollten sie Ursache, Wirkung und daraus resultierende Zukunftsaussichten mit Sorgfalt bedenken.

Gewordene und potentielle Täter müssen lernen, dass sie nicht ungestraft und schon gar nicht unerkannt bleiben, auch jene, die die Zahl der Opfer wachsen liessen, weil sie schwiegen, fürs Große und Ganze.

Das Große und Ganze rechtfertigt nicht ein einziges Opfer und wer das nicht begreift, offnet der Barbarei, dem Bösen, der Sünde Tür und Tor, ganz gleich, was er von seiner blitzblanken Kanzel predigt!

woe 17.02.2010

Rosenmontagsbedingter Assimilationsverdacht bei steifem Nordlicht

Mein fünfter Rosenmontag in Mainz

Rosenmontag in Mainz. Für ein Nordlicht, das am mainzer Rheinufer gestrandet ist, gewiss eine Herausforderung. Allein die Frage wie närrisch man sein muss, um bei Temperaturen unter null ein Straßenfest anzuzetteln, ist eine harte Nuss.

Dabei habe ich auf meinem Streifzug durch den Rosenmontagstrubel entblößte Weiblichkeit gesehen, die Rio Ehre gemacht hätte. Die heißen Blicke der umstehenden Männlichkeit allein können da unmöglich für Erfrierungsfreiheit gesorgt haben. Das närrische Treiben scheint zu besonderen Effekten, bis ihn zu physischen Erstaunlichkeiten führen zu können.

Überhaupt entdeckte ich rheinische Weiblichkeit die bisweilen einen Mönch zum Weinen gebracht hätte, alle Achtung. Ich sah hier und da mehr als einmal hin ...

Nun ist es natürlich brauch, dass deutsche Menschen, die sich intellektuell hoch ansiedeln, über Brauchtum und massenweise Vergnügungen abfällige und distanzierende Bemerkungen machen. Deutsche Intellektuelle sind im Zweifel immer ernst und unterstreichen das vernehmbar durch entsprechende Kommentare.

Ich bilde mir auf meinen Intellekt auch einiges ein, kriege es aber nicht hin, mich Nase rümpfend zu muckieren. Im Grunde bin ich ehr neidisch, sah ich doch allenthalben in fröhliche Gesichter ausgelassener Menschen deren einige schon deutlich alkoholisiert waren. Das kann natürlich auch die Kälteresistenz verstehbarer machen. Zum Glück traf ich aber bei meinem Spaziergang durch diese mir fremde Welt nirgendwo auf Aggression, auch nicht auf alkoholbedingte.

So bin ich fasziniert von der Explosion an Kreativität die hier am Werke war. Unendlich viele Helfer haben hier im Vorfeld offenbar ungemein viel Arbeitet hinein gesteckt um Wagen, Kostüme und Logistik auf die Bein zu stellen. So ein Rosenmontagsumzug ist ja nicht pures Vergnügen des Augenblickes sondern die plötzlich freigelassene Energie zielgerichteter Arbeit. Eine Explosion an Leistung zu dem Zweck einen Umzug auf die Beine zu bekommen, der Spaß macht.

Auf meinem Weg nach Hause traf ich einige distinguierte Briten, sichtlich aus gediegener Gesellschaft. Die sind noch steifer als Nordlichter wie ich das hin bekommen. Ich sah ihnen ihre Verwunderung an, bewegten sie sich doch unter wild gewordenen Eingeborenen wie in einer fremden Welt. Dennoch konnte ich entdecken, dass unter der eher blasierten Oberfläche Faszination keimte. Ich geleitete sie zum verzweifelt gesuchten Bahnhof und erntete dort, zu meiner Überraschung, ein wenig distinguiertes Lächeln ganz menschlicher Art, gerade von den Damen unter ihnen.

Auch ich blickte oft genug etwas verwundert auf das närrische Treiben. Dabei entdeckte ich in verschiedenen Situationen, dass ich, tatsächlich ich, der ich mir auf meine distanzierte Zaungastrolle durchaus was einbilde, rhythmische Bewegungen machte und bei mir deutliche Anzeichen ansteckungsbedingter guter Laune zum Vorschein kamen. Es tut überhaupt nicht weh ...

Das ist mein fünfter Rosenmontag in Mainz, fängt Assimilation so an?

woe 17.02.2010

Hartz-IV, Guido Westerwelle ungeschminkt und ohne Kreide

Ein Vizekanzler auf dem Weg zur Raserei?

Spät kommentiere ich Westerwelles neueste Versuche, sich für die NRW-Wahl in Position zu bringen. Hartz-IV, eine verdammt kniffelige Sache.

Ich selbst stand einmal, durch die Verkettung verdammt vieler pleite gegangener Arbeitgeber, kurz davor. Womöglich habe ich deshalb verdammt viel Respekt vor dem Thema und tue mich ebenso verdammt schwer damit, Position zu beziehen. Da hinein zu geraten macht richtig Angst.

Ich hab beides gesehen: Leute, die sich drückten und Leute, die genau das nicht taten. Ich kenne die Rutschbahn nach unten und weiß, wie glatt die sein kann, wenn einmal Schwung da ist.

Guido Westerwelle hat sich aber entschlossen, die Ressentiments die ohnehin bereits vorhanden sind und nicht zuletzt von SPD-Politikern unter Schröder mit befeuert worden waren, nun zu nutzen.

Die SPD hat damit historische Schuld auf sich geladen, die abzutragen nicht leicht werden wird. Westerwelle hingegen macht konsequent weiter, wo er ohnehin steht: In der Schmuddelecke.

Für mich ist Guido Westerwelle ein hoch gekommener Opportunist der sich konsequent entschied, in der FDP Kariere zu machen und hoch zu kommen. In welcher Partei sollte man das auch sonst versuchen? Auf dem deutschen Arbeitsmarkt für strebsame Politiker gibt es keine Alternative: Mit noch kleineren Parteien wird man niemals Außenminister und in größeren Parteien ist der Konkurrenzdruck zu groß. Die FDP kann für einigermaßen intelligente, wortgewandte Akademiker ein Lift in den Bundestag sein oder gar in Ministerämter. Keine andere Partei bietet derartige Chancen.

Westerwelle würde mit seinem Talent auch Gehör bei der NPD finden, die lohnt für ihn aber mit Sicherheit nicht und außerdem hätten die dann wieder Probleme mit seiner Unterscheidung gegenüber der Norm.

Der geneigte Leser der nun vermutet, dass ich bei Westerwelle keinerlei liberale Gesinnung vermute, liegt richtig. Ich halte Westerwelle für einen Mann der sich für den Politikerberuf entschieden hat und nun konsequent und zielstrebig handelt.

Ich glaube übrigens, dass der das subjektiv reinen Herzens tut. Ich nehme nicht an, dass er entdecken kann, was mich an ihm stört und das unterscheidet uns auch so grundlegend denn er ist zum Erfolg, zum zielstrebigen Aufstieg fähig, ich zum Denken von Bedenken.

In unserer Gesellschaft zählt gegenwärtig der vordergründige Erfolg sehr viel und die langfristigen Auswirkungen eigenen Handels auf das Leben allgemein verwirren ja nur.

Deshalb graust es mich, Westerwelle als Vizekanzler zu wissen, glaube ich ihm doch nur den Willen zur Kariere und zum, wie auch immer gearteten, Sieg. Die umfassende Sorge um das Wohlergehen eines, seines, meines Volkes glaube ich ihm nicht.

Ich kann in all den Jahren nicht erkennen, dass er das im Blick hat und ich glaube auch nicht an die Wahrhaftigkeit seiner angeblichen Freundschaft zum durchaus knallharten Genscher. Ich sehe nur, dass die Behauptung ihrer Existenz logisch von Westerwelle als hilfreich wahrgenommen werden muss.

Nun gehrt Widerstand in der FDP gegen den Eigner des hippen Guidomobils. Ob das reicht, ihn in die Schranken zu weisen, werden wir sehen und Prognosen wage ich erst, wenn ich mehr gelesen habe. Mein Urlaub fängt gerade erst an.

In jedem Fall beweist Guido Westerwelle, dass unsere Gesellschaft noch recht stabil ist. Wäre sie instabiler, hätten seine stark nach pauschaler Diskriminierung riechenden Ausfälle gegen Teile jenes Volkes, das zu regieren er vorgibt, längst zu Ausschreitungen geführt. Offenbar nehmen nicht einmal die Linken oder Rechten, die verzweifelt nach Anhängern suchen, den Mann so ernst, dass sie versuchen Menschen dazu zu verführen, Pflastersteine fliegen zu lassen.

Westerwelle befeuert eine Debatte, die gewiss geführt werden muss und ich grüble, wohin das führen müsste.

Ich hoffe, dass man ihm nun nicht den Mund verschließt, ich würde gern hören, wohin er sich noch zu versteigen wagt, ich will, dass wir sein Gesicht sehen, ohne Maske, ohne Schminke und ohne Kreide auf den Stimmbändern. Ich will sehen, was passiert, wenn er in Raserei gerät, bevor was Schlimmes daraus werden kann.

woe 17.02.2010

Neuer Atomstreit, ist Norbert Röttgen einer von den Guten?

Geld regiert die Welt, Westerwelle ist gegen ihn

Norbert Röttgen, gelernter und promovierter Jurist, CDU-Poilitiker mit Merkels Wohlwollen und doch kein wohlgelittener Mann mehr, seit er öffentlich raus will, aus der Atomkraft.

Während Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) die Tröte gegen Röttgen schwingt und Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer dem Bundesumweltminister barsch bescheinig, blanken Unsinn zu reden, ist natürlich auch Guido Westerwelle gegen einen Atomausstieg.

Spätestens hier kann ich den Verbänden von Herstellern von Windkraft- und Solaranlagen nur empfehlen, mal nach dem Spendenkonto der FDP zu fragen, kann sein, dass Westerwelle umgestimmt werden kann.

Kretschmer übrigens sieht einen enormen Schaden darin, sich von "gut funktionierenden" Kernkraftwerken zu trennen und sich stattdessen "Vogelschredderanlagen" und "Subventionsgräbern" zuzuwenden. Er meint damit Windkraft Solarzellentechnik.

Es gab mal eine Bundsregierung, die den Ausstieg aus der Kernkraft beschlossen hatte und eine danach, die den Weg fortführen wollte, wenigstens solange die Koalition groß war.

Nun sind wieder die alten - und neuen Betonköpfe in Union und FDP am Werk, oder die Spendensammler, wer weiß. Jedenfalls wird Unionsfraktionsvize Kretschmer für die Akzeptanz der Atomkraft im Volke kämpfen wollen.

Immerhin, so denke ich mir, wird er damit eine langfristige Arbeitsplatzpolitik ins Leben rufen.

Der anfallende Atommüll muss nämlich gelagert werden und, damit kein terroristischer Bösewicht Schaden damit anrichten kann, auch bewacht werden. Dabei ist zu bedenken, dass diese gefährlichen, radioaktiven Stoffe zum Glück ja von allein zerfallen. Allerdings sind die reichlich lahm damit, Plutonium hat eine Halbwertzeit von 24.000 Jahren und Jod-129 ist noch langweiliger, da ist die Hälfte erst nach 15,7 Millionen Jahren.

Kein Mensch kann heute wahrheitsgemäß behaupten, die Bewachung dieser Abfälle über diese verdammt lange Zeit sicher stellen zu können. Mir ist auch noch Niemand begegnet, der mir ordentlich erklärt hat, wie man denn damit umgehen soll und was das kostet.

Die Atomindustrie ist fein raus dabei. Endlager sind Sache des Staates und so fallen deren Kosten bei ihr nicht an. Es bleibt mehr für Spenden übrig, schön für die FDP.

Was aber kostet allein die Bewachung und Sicherung der Endlager über Jahrhunderttausende und wie teuer ist Atomstrom, wenn diese Kosten sich auf die Kilowattstunde eines AKW niederschlagen würden?

Dr. Norbert Röttgen hat also recht, wenn er auf weitaus günstigere Energien setzt und ich glaube eben auch nicht daran, dass es Gegenstand eine Imagekampagne sein darf, ob Atomkraft akzeptiert wird oder nicht. Sie ist volkswirtschaftlicher Unsinn und Michael Kretschmer muss sich von mir gefallen lassen, dass ich ihn in dieser Sache als opportunistische Propagandatröte ansehen, von dem ich nur noch nicht weiß, ob er weiß, welchen Unsinn er da redet. Ist er unklug oder schielt er auf Spenden?

Röttgen sollte man also im Auge behalten, womöglich brauch der Mann Unterstützung um sich durchsetzen zu können. Immerhin steht er dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vor. Wenn er die Reaktorsicherheit gegen Argumente von der Art verteidigen muss, wie sie Kretschmer, Söder und Westerwelle vorbringen, ist es mit Vernunft allein nicht getan, denn: Geld regiert die Welt ...

woe 18.02.2010

Wann beginnt die seriöse Hartz-IV-Debatte?

Darf eine allein erziehende Mutter neoliberal sein?

Wie kommen wir da jetzt wieder heraus?

Guido Westerwelle hat den Mund auf gemacht und wie so oft, bekommt er Prügel dafür. Wenn das die Anderen schon erledigen, muss sich laesterwelle.de nicht damit aufhalten und ich auch nicht. Mich interessiert viel mehr, wie wir aus dieser hitzigen, populistische Instinkte befriedigenden Kabbelei heraus und in eine sinnvolle Debatte hinein kommen.

Es ist doch unumstritten, dass Hartz-IV überdacht werden muss. Es macht aber keinen Sinn, die politische Energie darin zu verschließen, über die Faultiere dieser Welt zu debattieren oder über jene, die da hinein geraten sind und bisher nicht wieder heraus kamen.

Das gegenwärtige Getöse ändert die Situation nicht, nutzen wir es aber als Wegbereitung, auf den Teppich zu kommen und nach Lösungen zu suchen.

Betrachten wir doch die Lage nüchtern: Wer zu faul ist, zu arbeiten, wird sich nicht durch Westerwelles Worte schrecken lassen, wem es genügt, von Harz-IV zu leben, der ist ohnehin so hart gesotten, dass er kaum noch zu erschüttern ist. Denen ist Westerwelle komplett schnurtz und spätrömische Dekadenz ein größtenteils unbekannter Begriff.

Wenn nun das Kieler Institut für Weltwirtschaft heraus findet, dass sich für viele Arbeitslosen-II-Empfänger ein regulärer Job nicht lohnt, muss befürchtet werden, dass Populisten schnell auf den Gedanken kommen, dass dieses Problem leicht zu lösen ist: Runter mit Hartz-IV, dann klappt das auch mit dem Arbeiten!

Ich denke nicht, dass das der Weg sein kann, ich denke auch nicht, dass das der Weg unserer Gesellschaft werden soll.

Doch mal ganz langsam: Wie steht es denn mit der Gesinnung unseres neoliberalen Westerwelle? Was ist das für ein Politiker, der sich rigoros für die besser Verdienenden einsetzt und sich dagegen sperret, dass man denen nachschnüffelt, wenn die Steuern hinterziehen? Sollte Westerwelle nicht eigentlich vom wirtschaftlichen Scharfsinn der allein erziehenden Mutter mit geringer Qualifikation in einem der neuen Bundesländer begeistert sein, die sich ausrechnet, dass sie mit nem Vollzeitjob weniger verdient als mit Hartz-IV?

Was ist schlimmer, die Steuerhinterziehung durch einen besser Verdienenden, der sich seine Steuern eigentlich leisten könnte und aus schierer Habgier der Gesellschaft seinen Obolus vorenthält oder die eben erwähnte Mutter die scharf nachgedacht hat und nach ihrer Entscheidung gegen den geringeren Verdienst mit mehr Arbeit lieber ganztags für ihre Kinder da ist? Und was bedeutet diese Entscheidung moralisch in einer Gesellschaft die Nachwuchs dringend brauchen kann?

Sonst steht Westerwelle auf Seiten jener, die konsequent Erfolgesorientiert denken, wer Erfolg hat, hat doch bei uns immer recht, oder?

Ich frage mich, warum sich der laut gegen Westerewelle trötende Sigmar Gabirel solche Fragen nicht laut und öffentlichkeitswirksam stellt. Das ist nämlich der Job der SPD. Die hat aber damit zu tun, sich vorzunehmen, bei den NRW-Wahlen ein Stopschild zu setzen.

Es fällt auf, dass sich die SPD in letzter Zeit lieber damit befasst, sich lauthals was vorzunehmen, anstatt was dafür zu tun, dass ihre Klientel was davon hat. Schade, die SPD scheint vorwiegend damit befasst, ihre Funktionäre in Ämter zu hieven als damit, Politik zu machen, die dem kleinen Mann zu gute kommt und die oben erwähnte Mutter ist so ein kleiner Mann, nur eben weiblich und womöglich verdammt mütterlich.

Also los, meine Damen und Herren Politiker, an die Arbeit!

woe 19.02.2010

Andreas Pinkwart (FDP) fordert unnachgiebige Hartz-IV-Härte

Hartz-IV, zu ernst für den Wahlkampf

Wahlkampf mit Hartz-IV: Die FDP tritt nach und lässt diesen Part von Andreas Pinkwart exekutieren. Der Mann ist Bundesvize der FDP und zugleich auch Landeschef. Wo, das ist nicht schwer zu raten, in Nordrhein-Westfalen sind bald Wahlen.

Diesmal fordert er Härte, unnachgiebige Härte ... ich erinnere mich, das war doch bei Heinrich Böll, Ansichten eines Clowns, als ich das mit der unnachgiebigen Härte schon einmal gelesen habe.

Bei Böll waren das die Worte eine Parteigängers, der sein Fortkommen unbesehen über das der Anderen stellte, braun war der auch, Opportunisten waren zu dessen Zeit braun gewandet und rissen andauernd den rechten Arm gen Himmel.

Pinkwart ist nicht braun, der ist blau-gelb und ebenfalls Opportunist bei der Spendenpartei FDP.

Ich bin noch verschlafen, da ich von seinen starken Worten lese und nicht ganz da. Ich habe Urlaub und kann mich gedanklich nicht so recht daran gewöhnen, dass die FDP auf Hartz-IV los geht. Die haben doch eigentlich alle Hände voll zu tun, sich gegen den Ankauf von Steuersünder-CDs zu sperren, sie können die Verteidigung ihrer betuchten Klientel nicht dem neuen in Baden Württemberg überlassen, dann kriegt der am Ende die Spenden und die FDP steht dumm da. Schlimm genug, dass die Wählergunst abwandert denn Erfolg ist das Einzige was zählt.

Ich wird auch die neoliberale Mutter nicht mehr los, alleinerziehend, gering qualifiziert und mit Hartz-IV und den ganzen Tag bei ihren Kindern besser drann als wenn sie zur Arbeit geht. Wobei, ist das nicht auch verdienstvoll, sich um die Kinder zu kümmern, sie groß zu ziehen, diese künftigen Steuerzahler? Je mehr Rückhalt und Geborgenheit die heute erfahren, desto größer die Chance, dass sie sich entwickeln und gut entwickelte Menschen zahlen nun mal gute Steuern.

Das bringt mich denn auch auf eine Überlegung die mich fesselt: Muss das so laufen? Müssen wir Menschen stigmatisieren, die ihr Geld nicht per Lohnabrechnung erhalten?

Sehen wir es doch mal nüchtern: Viele Menschen erhalten Geld, das nicht als Lohn abgerechnet wird. Rentner, die haben es sich verdient. Kranke, die hatten Pech. Unternehmer, da nennt man das Subventionen. Beamte, einige von denen haben auch verdient, was sie bekomme, andere mehr weniger. Ach ja, Politiker, bei denen nennt man das Diäten und gemessen an der oben erwähnten Mutter ist das keineswegs eine magere Diät.

Im Grunde haben wir uns doch darauf geeinigt, dass ein gewisses Grundeinkommen für Jeden da sein sollte und zahlen das auch. Das Geld fließ aus unterschiedlichen Quellen und vereinigt sich immer und immer wieder in den Taschen der Empfänger. Dabei kostet Geld Geld.

Wenn ich mir überlege, dass ein Sozialfall aus diversen Töpfen bedient wird, um sich über Wasser halten zu können, könnte ich mir vorstellen, dass da gespart werden könnte, ohne mit der Schrotflinte Kürzung zu schießen, die mit tödlicher Sicherheit Unschuldige treffen würde.

Stellen wir uns einfach mal vor, dass jeder Bürger ein Grundgehalt beziehen würde, ein Grundeinkommen, vollkommen unabhängig davon, was er sonst zu treibt.

Sogar Zumwinkel bekäme es und es wird auch nicht Diskutiert darüber, ob dem das zusteht oder nicht. Er müsste sich nicht mal bedanken.

Der Begriff Bürgergeld1) kommt hier ins Spiel und auch die FDP hat damit schon gespielt2).

Ich bin nicht geübt in diesen Überlegungen, Westerwelle ist aber zu danken, dass ich nun wissen will, was da so drann ist.

Mir scheint es unsinnig zu sein, das bisherige System unbesehen fort zu führen. Ich denke schon, dass wir über Alternativen nachdenken müssen und auch zu einer neuen Position gelangen können.

Es scheint mir nicht sinnvoll, das System mit Neid zu befrachten, wie es die FDP im Augenblick aus Wahltaktischen Gründen probiert. Es hat keinen Sinn, dass die politischen Lager einander wechselseitig mit eklatanten Fallbeispielen bewerfen und sich damit zu überbieten suchen. Hartz-IV war eine Reform die überfällig war. Sie ist weder ideal noch der Weisheit letzter Schluss. Das Nachdenken mahne ich nun an, habe aber die Befürchtung, dass es vor den Wahlen in NRW nicht dazu kommen wird.

Ich denke wir Wähler und Bürger müssen nun daran gehen, unsere Politiker daran zu erinnern, dass sie nicht nur Wahlkampftröten sind sondern ihre Diäten bitte auch verdienen sollen, indem sie nachdenken und an Lösungen arbeiten.

Wenn sie ihre Energie darin erschöpfen, allein an ihr Fortkommen zu denken, müssen wir zusehen, dass sie fort kommen: Auf den Müll der Geschichte!

In jedem Fall ist die Hartz-IV-Debatte nötig, das Thema darf aber nicht im Wahlkampf verballhornt werden.

Links aus dem Text und zum Kontext:

1) Eintrag bei Wikipedia: "Bürgergeld" (Link vom 19.02.2010)
2)BESCHLUSS des 56. Ord. Bundesparteitages der FDP, Köln, 5.-7. Mai 2005 (Link vom 19.02.2010)
Eintrag bei Wikipedia: Bedingungsloses Grundeinkommen (Link vom 19.02.2010)

woe 20.02.2010

Westerwelle trötet und die SPD stöhnt laut dazu

Arbeiten unsere Politikschaffenden auch mal oder machen die nur Wahlkampf?

Da sind sie nun alle auf dem Kriegspfad.

Westerwelle hat die Tröte an und posaunt antisozialistische Sprüche ins Land. Das muss der auch, die Umfragewerte der FDP bröckeln massiv und in der FDP gibt es tief sitzende Kollektiverinnerungen an die Stacheln der fünf-Prozent-Hürde. Das setzt Ängste frei, die den Geist lähmen und die Muskeln straffen.

Aber die Anderen, die Politikschaffenden aus den anderen Parteien sehen sich nun gezwungen, mit zu tröten. Manche mit, andere ohne Geist, Hauptsache laut und vernehmbar. Allen voran die Jungs und Mädels aus der CSU, immerhin geht es doch nicht an, dass die andere Kleinpartei in der Koalition mehr Sendezeit bekommt als sie, oder? Aber auch der pummelige neue im Musterländle macht dicke Backen. Neue Besen, wir wissen das.

Am leichtesten haben es da die Linken und, nicht zu vergessen, die SPD. Eigentlich sagen die ja im Augenblick nicht richtig was dazu, wenigstens kommen sie in den Nachrichten schlecht weck. Sie machen die empörten Gesichter und skandieren den verhallenden Ruf nach einer Entschuldigung Westerwelles gegenüber den Hartz-IV-Menschen. Besonders witzig, wenn das der Steinmeier versucht, hat der nicht an Hartz-IV mit gebaut?

Na, Steinmeier verdrängt halt gerne.

Einzig die Bundeschefin thront über all dem Getöse und findet milde Worte des leisen Tadels für den Köter der sie vertreten soll, wenn sie mal zum Zahnarzt muss. Merkel macht das ruhige, reife Mädchen, das mütterlich alles im Blick behält, die Hände unter dem Tisch, damit man nicht sieht, was sie im Griff hat und was nicht.

Aber, mich beschleicht da doch die Frage wohin das eigentlich führen soll.

Bei der FDP ist das klar: Die wollen in NRW Stimmen baggern und sonst sind sie auf Ämter und Spenden aus, ok, weiß Jeder, fragt Keiner.

Doch selbst Politiker der FDP sind eben Politikschaffende, potentielle Regierer und im Fall des Bundes nicht nur potentielle oder eben doch nur? Wohin soll also diese ganze aktuell aufgewandte Energie gehen? Was kommt dabei heraus?

Alle übertrumpfen sich fleißig mit markigen Sprüchen, Lösungsvorschläge sind nicht zu hören. Wenn dann auch noch Andreas Pinkwart, FDP-Chefbettler in NRW, eben schnell aufspringt um mehr Härte zu fordert, ist das kein Lösungsansatz sondern nur Zeichen dafür, dass er zu faul war, seine Hausaufgaben zu machen und auf die billige Tour Punkte machen will. Wähler merken so was und sind kaum damit hinter dem Ofen vor zu locken, es sei denn, sie empören sich.

Wo bleiben die Lösungen? Wann wird darüber geredet, wie recht die allein erziehende Mutter mit geringer Qualifikation hat, wenn sie nicht zur Arbeit geht sondern bei ihren Kindern bleibt und dabei mehr Kohle kriegt als sie Arbeitslohn bekäme? Ist die Frau nicht moralisch weitaus höher anzusiedeln als ein erfolgsorientierter Schlipsträger der mal eben nen paar hundert Arbeitsplätze in den Sand setzt und hernach mit ner Abfindung nach Hause geht und nebenbei FDP wählt?

Leider ist das mit den gängigen Antworten linker Funktionäre auch nicht zu erledigen. Am Ende sind wir eine Gesellschaft die das tut, was Gesellschaften immer tun, wenn sie überleben wollen: Sie baut sich permanent um und muss sich immer und immer wieder neu erfinden.

Was ist nun mit Bürgergeld, über das die FDP schon lange redet aber gegenwärtig auffällig schweigt? Was ist mit der Reform der Reform und wann traut sich die SPD wieder, was anderes zu tun als laute, als Empörung etikettierte Stöhngeräusche von sich zu geben? Hat die SPD nicht früher mal Klientelpolitik gemacht? War die nicht für den kleinen, auch den ganz kleinen Mann zuständig?

Na, die haben Steinmeier auch Kanzlerkandidaten genannt, obgleich jeder wusste, dass das Etikettenschwindel ist und der überhaupt keine Chance hatte den Job zu kriegen.

woe 21.02.2010

Winter per Pedes

Split ist toll

Ich bin mir nicht sicher, ob ich mit einer kleinen Winternachlese nicht noch zu früh bin. Als ich aufstand, schneite es in Mainz.

Ich will dennoch einige Worte berichten, über meine Fußmärsche zur- und von der Arbeit durch eine winterliche Stadt. Meinen Drahtesel ließ ich im Keller, meine akrobatischen Künste sind nicht so weit entwickelt, dass ich mir beim Sturz gute Chancen ausrechnen durfte, heil davon zu kommen. Die fünf - sechs Kilometer zum Büro boten allerlei Schikanen die zu netten Stürzen hätten führen können. Soweit ich weiß haben die Notaufnahmen diverse mutige Radfahrer versorgen müssen. Komplexe Brüche waren dabei sehr oft im Spiel.

Ich nahm also Schusters Rappen und machte mich auf. 45 Minuten ein Weg und keinerlei Verpflichtung mehr, irgendwelchen anderen Sport treiben zu müssen. Nicht schlecht, sofern man sich am Arbeitsplatz umziehen kann. So um die fünfzig Lilometer Fußmarsch die Woche hört sich auch imposant an und mein Kardiologe ist entzückt vom sanften Ausdauertraining.

Sowas muss aber nicht immer sanft bleiben denn die Tücken verwaister und vereister Gehwege können enorm sein, ebenso überraschend in ihrem Gefahrenpotential wie ungeräumte Seitenstraßen.

Besonders erstaunte mich, dass Parkwege wie jene im mainzer Rosengarten derart regen Autoverkehr aufweisen, dass dort rasch eine festgefahrene Schneedecke zu finden war. Schon nach kurzer Zeit glich der Hauptflanierweg dort einer ungeräumten Seitenstraße. Beide wiesen eine zu Eis komprimierte, fest gefahrene Oberfläche auf, deren unbedarftes Betreten halsbrecherisch ist, wenn sie unbehandelt bleiben.

Auf dem Parkweg fand sich spärlich aber rettend Split. Tückisch hingegen war das Überqueren von Seitenstraßen ohne Winterdienst. Wenn sich dort nicht Anwohner erbarmten, schlidderte man dort über gewölbte Eisbahnen, schmerzlich fehlte einem der Zaun, an den man sich bei ungeräumten Fußwegen halten konnte.

Respektabel fand ich hingegen das Verhalten eines betagten Paares, dem sichtlich die körperlichen Kräfte fehlten, Schnee vom Fußweg vor ihrem Häuschen zu räumen. Die zwei, ich sah sie öfter, hatten eine Fahre Split auf der Auffahrt. Das Zeug geriet im Lauf der Zeit unter meine Füße und ich lief vortrefflich darauf.

Ganz im Gegensatz zu einem Grundstück, dessen stattlich- herrschaftliche Bebauung eine Schulungsstätte für Führungskräfte beherbergte.

Deren Hausverwaltung scheint eine pädagogische Vorliebe für einen naturbelassenen Gehsteig zu haben, aalglatt und absolut tückisch der Weg. Ein gutes Beispiel für die freie Wildbahn im Erwerbsleben eben, nicht nur für Führungskräfte.

Mindestens einen sportlich smarten Schlipsträger sah ich denn auch zu Boden gehen. Glatte Ledersohlen sind eben nicht so toll für den Weg vom schicken Dienstwagen zur Haustüre, wenn der nicht zuvor von körperlich arbeitenden Menschen vorbereitet wurde. So etwas ist richtig ärgerlich, wie das Fehlen einer Klofrau, deren Existenz und Wichtigkeit oft erst wahrgenommen wird, wenn was daneben gegangen ist.

So ging der Smarte auch sehr unsanft zu Boden, war er doch gezwungen, sich sportlichen, energischen Schrittes seinem Tagewerk zu nähern, eine deplazierte Strategie würde ich das nennen, sein Schulungsbedarf lag offen zu Tage, er auf der Straße. Was weibliche Begleitung doch so alles anrichten kann.

Der Sturz war rasant, die Begleitung war standhaft. Sie verstand es, ihre, auf den ersten Blick doch etwas deplaziert wirkenden, hohen Absätze mit Metallspitze absolut effektiv zu nutzen.

Diese Einzelspikes, die mancher Dame zu seltsamen Gehbewegungen noch auf sicherem Boden verhelfen würden, konnte ich hier in absolut geschickter Anwendung bewundern.

Ohnehin bewunderte ich die ganze Dame. Kein taufrisches Küken mehr, vermutlich gar in meinem Alter und doch verdammt knackig im Businesshosendress, nutzte sie ihre hohen Absätze als fixen Punkt für jeden Ihrer Schritte. Ohne zu zögern bot sie ihrem gestrauchelten Alphamännchen die Hand und machte es so möglich, dass er überhaupt den rettenden Zaun erreichen konnte. Der diente ihm sodann auch als Gehhilfe während die Dame ohne Stütze absolut eigenständig zur Haustür zu gelangen vermochte.

Die Hose von dem Mann war hin, seine Contenance und sein Alpha-Image auch.

Ich war froh, als ich in den bereich des Nachbargrundstücks kam, dort hatten hilfreiche geister wieder Split gestreut.

Split, ohnehin die Geheimwaffe in diesem Winter.

Nichts gegen adrette Hausbesitzer- und Verwaltungen die Wert auf penibel gebürstete Fußwege legen. Werden die aber von Tauwasser erreicht, sind sie bei erneutem Überfrieren eine Eispiste. Nein, Split, Split hilft.

Nebenstraßen ohne Winterdienst sind übrigens ebenfalls gefährliche Eispisten, oft auch noch gewölbt und total glatt, ist ihre Überquerung ein Abenteuer ohne Garantie für Sichere Ankunft. Eine Splitspur an der einen zur anderen Seite ist auch hier absolut hilfreich und wird von jedem Fußgänger einzeln gefeiert.

Im Grunde haben mir meine Fußmärsche gefallen. Inzwischen sah ich auch Leute, die ihren Splitt auf Eisfreien Flächen wieder zusammen fegten und in Sicherheit brachten, Kosten sparen und es muss nicht Salz sein, der Umwelt zu Liebe und das Zeug greift auch noch, wenn dei Temperaturen fürs Salz zu weit nach unten gehen.

woe 22.02.2010

Alles ganz einfach

Katholisches Matterhorn sprengt Teppich

Na endlich: Siegmar Gabriel holt zum unbarmherzigen, rhetorischen Gegenschlag aus und feuert endlich ne ganze Salve unbarmherzig treffsicherer Wattebäuschlein gegen den bösen Guido Westerwelle ab. Der hinterzimmererfahrene Vorsitzende der SPD geht furchtlos gegen den Außenminister vor, mit dem Mund.

Küssen würde gewiss schlimmer für Westerwelle aber so nah lassen seine Bodyguards den harzer Roller nicht an ihren Chef heran. Was Männer betrifft. Legt Westerwelle Wert auf guten Geschmack.

Merkel hat auch endlich mal ein was gesagt, nicht viel, immerhin muss man den Wirtschaftsflügel der CDU ja auch noch hören können. Die finden den FDP-Chef richtig toll und fühlen sich durch ihn vortrefflich vertreten. Abgesehen vom Neuen im Ländle natürlich, der ist ein Besen, der ist neu und der muss selber kehren!

Am Ende erschöpfen sich aber doch alle in wilder Rhetorik ohne dabei ein Wort zu sagen. Also wissen wir nicht, was da eigentlich Sache ist.

Also: Westerwelle hat eine Position: Der ist dagegen!

Gabriel ist gegen Westerwelle, das ist aber nicht neu. Westerwelle ist nämlich Außenminister und Gabriel nicht. Das findet Gabriel blöd, wenn Steinmeier nicht hinhört, weil der war ja noch Kanzlerkandidat für den Vizeposten, bei der letzten Wahl und liegt noch immer nicht auf dem Müll der Geschcihte, obgleich er das mit der Oppositionsführung auch nicht auf die reihe bekommt.

Opposition sind nämlich die von den Grünen und die kriegen immer bessere Umfragewerte, echt gemein!

Also: Steinmeier hat keine Zeit für Westerwelle weil, der ärgert sich nämlich über die Grünen. Die wollen sich nicht von ihm führen lassen, so in der Opposition, allenfalls, dass sie ihm vorführen, wie Opposition und Meinungsführerschaft geht. Manchmal führen sie ihm aber nicht nur was vor, sondern ihn.

Seehofer gefällt Westerwelle nicht, im doppelten Sinn des Satzes. Oder anders: Seehofer ist weder Westerwelles Geschmack noch Westerwelle Seehofers. Sie sind eifersüchtig aufeinander aber nicht wegen Angela sondern wegen der Wähler und überhaupt.

Von der Leyen findet die Debatte aber überhaupt nicht zielführend und wird gewiss in absehbarer Zeit ihre Zeile deutlich machen und versuchen uns dahin zu führen. Nun ist aber die Ursula nen Mädchen und fällt insofern überhaupt nicht ins Gewicht, weil: Auf Mädchen hört der Guido nicht und der Seehofer auch nicht.

Na ja, allenfalls manchmal auf die Angela, die ist aber kein Mädchen, die ist Mutti.

Nein, nicht Mutter sondern Mutti, so für Alle.

Fehlt eigentlich Oscar in dem Wirrwarr. Aber, Oscar ist weg, kommt wohl auch nicht wieder, es sei denn, die Krankheit ist keine aber darüber spekuliert man nicht. Die Linke ist auch mal weg, die machen erst mal ne neue Führungsriege und das offenbar nicht, wie bei der SPD, im Hinterzimmer sondern vorne auf der Bühne.

Aber zurück: Ursula ist zuständig, eigentlich, die ist nämlich Arbeitsministerin. Guido trötet, weil der ist Außenminister und FDP-Häuptling und als solcher zuständig fürs Angst haben. Angst wegen der fünf Prozenthürde in NRW, ist ne tief sitzenden Kindheitserinnerung bei den Liberalen, auch wenn sie neo sind.

Der Wirtschaftsflügel der CDU ist gut drauf und hofft, dass die Arbeitnehmer besser kuschen, wenn man denen mit der Streichung von Hartz-IV drohen kann. Die sind nämlich für die Unternehmer zuständig. Es hat eben nicht nur die FDP eine eigene Klientel, auch die wirtschaftsbeflügelten Unionschristen.

Überhaupt, Unionschristen. Die Unionschristen stammen doch vom Zentrum ab und die sind mit diesem Verein aus Rom verwandt, deren Funktionäre immer in schwarzen Klamotten rum laufen und manchmal gerne an kleinen Jungs rum fummeln, also einige von denen

Das ist so ein Übel der neuen Zeit.

Als die Inquisition noch so richtig zupacken durfte, pflegte man Probleme ja zu verbrennen. Später hat man die Fummler eiskalte Zölibäder nehmen lassen. Seit aber fließend warm Wasser in den Pfarrhäusern installiert wurde, funktioniert das mit der Treibvereisung nicht mehr so gut. Da hat man sich dann angewöhnt, das unter den Teppich zu kehren.

Das mit dem Teppich macht aber auch Probleme. Der Teppich hat ne echte, ausgewachsene Beule, die fällt auf. Man munkelt, die katholische Kirche macht bald dem Matterhorn Konkurrenz.

Immerhin fummeln die weniger braven schwarzen Buben sichtlich lieber an Jungs als an Mädels herum. Angela und Ursula können also ohne Frucht zur Beichte gehen und müssen keine Angst vor Fummelpriestern haben.

Eigentlich ist doch alles ganz einfach, oder?

woe 23.02.2010

Bischöfin Käßmann trank zu viel, Bischof Mixa zu wenig

Die eine spricht im Zweifel die Wahrheit, der andere lässt das lieber bleiben

Nachdem sie sich ja schon Schelte von Politikern einhandelte, als sie sich in die kriegerische Politik einmischte, hat Bischöfin Margot Käßmann nun wirklich was angestellt: Am vergangenen Samstag ist sie alkoholisiert Auto gefahren und dabei erwischt worden. Man bat sie zur Blutprobe und fand wohl 1,54 Promille Alkohol darin.

Öffentlich zeigt sich die Frau schockiert, erschrocken über das eigene Verhalten. Sie wird die Folgen tragen und beinahe hätte ich die schrieben, wie ein Mann.

Nun ist Käßmann keiner, sie ist eine Frau, sie ist aber nicht nur irgendeine Frau sondern Bischöfin seit Ende Oktober vergangenen Jahres steht sie nach erfolgreicher Wahl an der Spitze der Evangelischen Kirche Deutschlands. Deshalb die Frau eine besondere Frau und auf diese Weise auch für meinungsBildende Zeitungen interessant.

Interessant finde ich auch, dass diese Frau sich von der Horde manch männlicher Kollegen unterschidet. Sie zeigt sich öffentlich schockiert über ihr eigenes Verhalten. Keine Ausreden, ein schön Reden, keine Vertuschung. Die Frau ist Bischöfin und nicht Politikerin, die kann einfach nicht ordentlich lügen.

Dass Bischöfe auch anders können, zeigt sich bei Bischof Walter Mixa. Der hat nämlich heraus gefunden, dass die achtundsechziger daran schuld sind, dass seine Priester an kleinen Jungs rum fummeln. Letztlich können die also ihre Verirrungen nur begangen haben, weil irgendwelche Wirrköpfe Ende der Sechziger auch den sexuellen Kontakt zu Kindern strafrechtlich befreien wollten.

Tolle Rolle, die der schwarz gewandete Oberhirte da hinlegt. Immerhin traut er also den Achtundsechzigern, ganz gegen seine sonstige Gewohnheit, sehr viel Einfluss in den eigenen Reihen zu: Die Revoluzzer von damals müssen nämlich auf ultraleisen Unterwandererstiefelsohlen den Marsch durch die Institutionen der Kirche angetreten haben, die Moral total ausgehöhlt und unheilvollen Einfluss auf Seelsorger gewonnen haben, die sie jetzt dazu verführen, an kleinen Jungs rum zu fummeln. Gewiss wollen die das überhaupt nicht, die Priester, meine ich. Sie werden von rasputinartigen Agenten gezwungen derart die Grundfesten des Abendlandes endgültig zu zerstören... oder so.

Ok, ich bin nicht Mixas Ghostwriter.

Mixa könnte nicht nur den Bischof geben sondern auch den Politiker.

Beinahe will ich annehmen, dass Bischöfin Käßmann Wein getrunken hat. In dem liegt bekanntlich Wahrheit. Mixa hingegen, so fürchte ich, trinkt zu wenig davon, der könnte das eine oder das andere Fässchen gut vertragen. Dann klappt das auch mit der Wahrheit und macht später weniger Probleme am Himmelstor, wenn so einer überhaupt so weit vordringen darf.

woe 23.02.2010

Bischöfin Käßmann trank zu viel, Bischof Mixa zu wenig

Die eine spricht im Zweifel die Wahrheit, der andere lässt das lieber bleiben

Nachdem sie sich ja schon Schelte von Politikern einhandelte, als sie sich in die kriegerische Politik einmischte, hat Bischöfin Margot Käßmann nun wirklich was angestellt: Am vergangenen Samstag ist sie alkoholisiert Auto gefahren und dabei erwischt worden. Man bat sie zur Blutprobe und fand wohl 1,54 Promille Alkohol darin.

Öffentlich zeigt sich die Frau schockiert, erschrocken über das eigene Verhalten. Sie wird die Folgen tragen und beinahe hätte ich die schrieben, wie ein Mann.

Nun ist Käßmann keiner, sie ist eine Frau, sie ist aber nicht nur irgendeine Frau sondern Bischöfin seit Ende Oktober vergangenen Jahres steht sie nach erfolgreicher Wahl an der Spitze der Evangelischen Kirche Deutschlands. Deshalb die Frau eine besondere Frau und auf diese Weise auch für meinungsBildende Zeitungen interessant.

Interessant finde ich auch, dass diese Frau sich von der Horde manch männlicher Kollegen unterschidet. Sie zeigt sich öffentlich schockiert über ihr eigenes Verhalten. Keine Ausreden, ein schön Reden, keine Vertuschung. Die Frau ist Bischöfin und nicht Politikerin, die kann einfach nicht ordentlich lügen.

Dass Bischöfe auch anders können, zeigt sich bei Bischof Walter Mixa. Der hat nämlich heraus gefunden, dass die achtundsechziger daran schuld sind, dass seine Priester an kleinen Jungs rum fummeln. Letztlich können die also ihre Verirrungen nur begangen haben, weil irgendwelche Wirrköpfe Ende der Sechziger auch den sexuellen Kontakt zu Kindern strafrechtlich befreien wollten.

Tolle Rolle, die der schwarz gewandete Oberhirte da hinlegt. Immerhin traut er also den Achtundsechzigern, ganz gegen seine sonstige Gewohnheit, sehr viel Einfluss in den eigenen Reihen zu: Die Revoluzzer von damals müssen nämlich auf ultraleisen Unterwandererstiefelsohlen den Marsch durch die Institutionen der Kirche angetreten haben, die Moral total ausgehöhlt und unheilvollen Einfluss auf Seelsorger gewonnen haben, die sie jetzt dazu verführen, an kleinen Jungs rum zu fummeln. Gewiss wollen die das überhaupt nicht, die Priester, meine ich. Sie werden von rasputinartigen Agenten gezwungen derart die Grundfesten des Abendlandes endgültig zu zerstören... oder so.

Ok, ich bin nicht Mixas Ghostwriter.

Mixa könnte nicht nur den Bischof geben sondern auch den Politiker.

Beinahe will ich annehmen, dass Bischöfin Käßmann Wein getrunken hat. In dem liegt bekanntlich Wahrheit. Mixa hingegen, so fürchte ich, trinkt zu wenig davon, der könnte das eine oder das andere Fässchen gut vertragen. Dann klappt das auch mit der Wahrheit und macht später weniger Probleme am Himmelstor, wenn so einer überhaupt so weit vordringen darf.

woe 24.02.2010

Margot Käßmann tritt leider zurück

Ein Versuch, mein Versuch, Achtung auszudrücken

Schade - manchmal tritt ein Mensch der amtlich in der Öffentlichkeit steht, von seinen Ämtern zurück, man schaut genau hin, man versteht es und man stellt ehrlich fest, dass es genau bei diesem Menschen schade ist und der Rücktritt den Verlust noch einmal deutlicher macht.

Welch ein gewaltig komplizierter Satz!

Margot Käßmann ist nicht mehr Bischöfin und steht auch nicht mehr an der Spitze der EKD. Sie trat von ihren Ämtern zurück, weil sie trunken am Steuer saß und dabei erwischt wurde.

Anders als bei Franz Josef Jung, dessen Rücktritt mir persönlich als einzig erkennbar honorige Tat auffiel, bedauere ich den Rücktritt dieser Frau sehr.

Ich denke nicht, dass sie das Amt als Bischöfin oder das als EKD-Chefin erreichte, weil man Quoten genügen musste. Die Frau würde keiner einfach so in ein Amt lassen, der sie kennt.

Nein, bei Frau Käßmann hatte ich seit geraumer Zeit den Eindruck eine wahrhaftige Frau zu erleben und das ist ausgesprochen selten in der Welt.

Politiker, Amts- und Würdenträger aller Art pflegen in der Regel gern an ihren Ämtern zu kleben, vollkommen gleichgültig was sonst noch an ihnen oder ihren Fingern klebt. Der Zweck des eigenen Fortkommens heiligt dann so ziemlich alle Mittel, bis es überhaupt kein Mittel mehr gibt, mit dem sie sicht amtstauglich rein waschen können. Es macht Mut zu sehen, dass es auch Menschen gibt, die Konsequenzen aus dem eigenen Handeln zieht, auch aus den eigenen Verfehlungen.

Es klingt paradox wenn ich sage, dass ihr Rücktritt sie für das Amt qualifiziert.

In einer Zeit, in der man bei Geistliche ehr damit rechnet, dass sie ihre Finger in den Hosen kleiner Jungen haben, in der ihre Bischöfe wie Mixa, mit kruden Theorien den Achtundsechzigern die Schuld an dergleichen Verfehlungen in die Unterwanderersteifel reden wollen, tut Frau Käßmann einfach gut.

Wäre die hiesige Geistlichkeit durchweck aus einem Holz geschnitzt wie diese Frau, wer weiß, womöglich wären wir dann ein christliches Land ...

Wester-Welle

Warum laesterwelle.de?

Warum eigent­lich noch ne Inter­net­seite, gibt es von den Din­gern nicht schon ge­nug?

Hier kann mans lesen...

[circle.de] Bilderei
 

[circle.de] sucht:

Fotografen, Maler, Graphiker, Bildhauer, Schmuckdesigner ...

Wer was zeigen will: Melden, bitte ... hier, bei [circle.de]

laesterwelle.de ist gegenwärtig nicht kommerziell.
Hier wird nur die Welt kommentiert, subjektiv, ohne Recherchen und mit dem Versuch, Vernunft zu finden ... mal sehen.