woe 01.12.2009
Zwei Dinge:
1. Die alten Artikel sind nicht verschwunden, die stecken im Archiv ( hier ... ).
2. laesterwelle.de ist nicht als Blog gedacht, die neue Struktur ist aber noch nicht fertig.
Laesterwelle.de sollte eigentlich pünktlich zum Dezember eine klarere Struktur bekommen, damit das Teil nicht wie ein Blog ausschaut. Weil sowas aber dann doch etwas Überlegung, danach Arbeit und am Ende auch noch Prüfung kostet, bin ich damit noch nicht fertig. Zudem gibt es gewisse Überlegungen, [circle.de] neu zu beleben und auch darin muss Arbeit stecken.
Aber: Ich arbeite daran, immer, wenn ich kann.
woe 01.12.2009
Wie war das doch gleich in einer demokratischen Organisation? Da wird Willen gebildet und gemeinsam getragen. Entscheidungen werden per Abstimmung geregelt.
Meist funktioniert das so, dass sich Menschen zusammen finden, in einer demokratischen Organisation, die ähnlichen Willens sind. Sie reden miteinander, lernen ihre Gemeinsamkeit, ihr Unterschiede und finden heraus, ob sie zusammen die Gemeinsamkeiten voran bringen können.
Wenn sie das wollen, ihre Gemeinsamkeiten voran bringen, dass machen sie sich daran, Strategien zu ersinnen, das auch zu schaffen. Dass das bisweilen in, sagen wir, unübersichtlichen Gemengelagen enden kann, haben wir bei den Grünen hinlänglich gesehen. Die wissen aber was sie wollen und haben bei der Bundestagswahl auch ihre Wähler gewusst. Sie haben es damit besser als die SPD. Die wiederum diskutiert bisweilen ja immerhin, während man bei der CSU bisweilen den Eindruck gewinnen konnte, dass die das nicht tun. Seit aber Franz Josef Strauß die Seinen nicht mehr darüber informiert, was sie wollen, wollen die auch manchmal selbst was. Der Seehofer ist eben kein Strauß und dessen Sohn sieht nur so aus, ist aber nicht so, wie der Alte. Nein, die CSU ist eine Führerorientierte Partei.
Die CDU, hmmm. Na, da arbeitet Mütterchen Merkel. Sie macht das schon, hat vom Kohl das Aussitzen gelernt, hat viel mehr Mütterlichkeit als der und kann, wenns nötig ist, auch noch intelligent zuschlagen. Wegen ihrer Intelligenz tut sie das aber mit Vorliebe diskret.
Immerhin hat sie ihre Fürsten aus den Bundesländern, alles Kronprinzen in Wartestellung, falls sie mal stolpert oder keine Lust mehr hat. Die wagen auch mal Widerspruch, im Übrigen hat man das in der CDU nicht so mit den Tumulten beim Disput. Nur böse Zungen würden behaupten, dass man da die Messer lieber mal von hinten durch die Brust ins Auge schiebt.
Ach ja, die FDP, was ist ihre Eigenart? Ich denke, das ist Westerwelle.
Na ja, auch noch ihre dünne Personaldecke. Wer da Fuß gefasst hat und nicht mit dem Klammerbeutel gepudert ist, hat Chancen auf ein Mandat.
Doch zurück zur demokratischen Organisation.
Nun sollte man meinen, dass Vorsitzende solcher Vereinigungen das Ergebnis gemeinschaftlicher Willensbildung sind. Wenigstens deren Wahl Ausdruck eines demokratischen Willensbildungsprozesses.
In der SPD hat man das jetzt rationalisiert: Da werden Vorsitzende in Hinterzimmern ausgeguckt und den Delegierten wird dann Gelegenheit gegeben, den Hinterzimmerverabredungen zuzustimmen. Wenn ich recht entsinne, machte man das bei der SED auch und in Bananenrepubliken ist dieses Verfahren ebenfalls sehr beiebt. Dort pflegen Ablösungen aber auch mit dem Ableben der Abzulösenden einher zu gehen. Die SPD kann sich einer gewissen Friedfertigkeit rühmen, viel demokratischer schaut sie deshalb aber nicht aus.
Der Unterschied zwischen der idealistischen Vorstellung von einer demokratischen Organisation und der SPD-Realität ist halt, dass sie ihren Willen nicht mehr bildet sondern ihn sich verordnen lässt.
Nun hat sie also nen Harzer Roller zum Chef ...
woe 02.12.2009
Die Kreditklemme, das nächste Gespenst das am Horizont herumgeistert.
Diesmal geht es darum, dass die Banker noch immer im Hinterkopf haben, dass sie die Finanzkrise gemacht haben, weil sie mit zu viel fremdem Geld gespielt haben. Sie haben sich billiges Geld geliehen und sind damit spielen gegangen um Gewinne zu machen. Als das Gewinnen nicht klappte und stattdessen reichlich Verluste dabei heraus kamen, war ihr Geld alle und die Bescherung noch immer nicht bezahlt.
Sie hatten das alles gemacht, weil sie totsicher waren, dass gerade sie nur gewinnen können. Hätten sie gekonnt, die hätten auch eben mal die Schwerkraft abgeschaltet oder irgendein anderes Naturgesetz ignoriert.
Ein Naturgesetz war aber absolut zuverlässig: Geht es einer überlebensnotwendigen Branche an den Kragen, greift der Staat in die Tasche und bezahlt die Zeche.
So auch hier.
Inzwischen haben die Banken sich erholt, die Finanzkrise ist für die längst Geschichte. Ordentliche Prämien fließen auch wieder. Beinahe sollte man meinen, deren Gedächtnis reicht von- ach lassen wir es.
Das ist aber ein Trugschluss: Sie erinnern die Krise und ihre Ursachen durchaus und versuchen ihre Eigenkapitaldecke hoch zu fahren, dafür fahren sie aber die Kreditvergabe runter. Irgendwoher muss ja die Kohle kommen und an den Provisionen oder am Spielgeld will Bank ja nicht sparen.
Schauen wir mal genau hin: Die Banken haben mit dem Feuer gespielt, haben dabei ein paar Finger verloren und weil Staaten ohne Banken auch im Eimer sind, haben die Staaten, haben wir, den Banken Geld gegeben. Die Banken sind nicht drauf gegangen und können weiter wurschteln, möglichst ohne staatliche Einmischung oder Kontrolle.
Dumm nur, dass knappere Kredite anderswo richtig Probleme machen: Bei der Wirtschaft.
Die kann die eben besser werdende Auftragslage nämlich nur in Arbeit umformen, wenn sie Kapital hat, um die Abwicklung der Aufträge finanzieren zu können. Hat sie aber nicht und also braucht sie Kredite. Solche die weitaus sicherer und überschaubarer sind als jene, mit denen die Banker Finanzkrisen herstellen.
Die Banker mögen aber viel lieber hohe Provisionen für gefährliche Geschäfte kassieren und im übrigen ihre Eigenkapitaldecke erhöhen und also die Kredite an die Wirtschaft runter fahren.
Die Wirtschaft verdient nichts, weil sie die Aufträge nicht abwickeln kann und also haben wir nix davon, den Banken Kohle zum Überleben gegeben zu haben.
Das trifft besonders hart den Mittelstand.
Mittelstand, das ist das Ding das sich aus vielen kleinen Unternehmen zusammen setzt, die alle nicht groß genug sind, um von großen Politikern wahlwirksam gerettet zu werden. Zusammen machen sie aber den Motor unserer Wirtschaft aus. Zusammen sind sie wichtig, überlebenswichtig!
Jeder ordentliche Banker lernt sowas. Ein ordentlicher Volkswirtschaftler würde also auf ein ausgeglichenes Verhalten achten, um das gesamte System am Leben zu erhalten.
Banken sind aber meist Aktiengesellschaften und die müssen auf die Rendite schauen, sonst nix. Wer was Anderes macht ist doof und doof will keiner sein.
Die Argumentation ist denkbar einfach: Schuld gegenüber der Gemeinschaft? Birngt das Geld? Nein? Auch doof, gibts nich! Nehmen wir das Naturgesetzbuch: Der Staat muss zahlen!
Und übrigens: Blödsinn, von wegen das Leben ist ein Geben und nehmen. Nehmen reicht!
woe 03.12.2009
Die Uni in Frankfurt hat sich entschlossen, den Kuschelkurs gegenüber ihren besetzerischen Studenten aufzugeben und ließ die Polizei räumen.
Ich kenne nur Filmberichte und Reportagen, war da nicht. Das Geschmiere an den Wänden sah auch wirklich nicht schön aus. Ich bin mir nur nicht sicher, dass diese Revolte so auf dem rechten Weg ist.
Womöglich ist die friedfertige Verständnisstrategie die bessere denn Niemand kann damit rechnen, dass die akademische Jugend voller Geduld und Umsicht protestiert. Man muss nur lange genug warten, liebevoll umarmen und so tun als würde man kuscheln. Wenn man sonst nichts tut, tut sich dann am Ende schon was denn ob akademisch oder nicht: Da ist Jugend am Werk und es wäre dann doch ein ernst zu nehmendes Ereignis, wenn Geduld plötzlich ihre Kardinaltugend geworden wäre.
Allein: Mir reicht es nicht, was ich bis heute an Information bekam, die Studenten sind mir einfach noch nicht informativ genug.
woe 03.12.2009
Wer Vater ist und sich trennt oder abgetrennt wird, muss verdammt viel Glück haben. Zugegeben: Vernunft hilft auch denn die Wilden Trennungskriege sind nicht die Domäne der Frauen.
Ich hatte glück bei meiner Trennung, kenne aber viele, denen das nicht so ging. Gerade ledige Väter sind oft richtig mies drann: Sie müssen zahlen, haben aber mit ihrem Nachwuchs von Rechtswegen oft nichts zu schaffen.
Ganz ehrlich: Nicht nur Rosenkriege sind nicht allein Domäne der Frauen, auch Zuneigung zum eigenen Nachwuchs kann in männlichen Herzen wohnen. Ich lernte sogar Männer kennen, die ehrlich unter der Trennung von Kindern litten, die sie "nur" ein paar Jahre lang mit groß gezogen hatten.
Nun haben wir die Situation, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die deutsche Bevorzugung lediger Mütter kassiert hat und der deutschen Regierung eine Rechtskorrektur verordnete.
Oh Mann, ich hoffe das trägt dazu bei, die Zahl kaukasischer Kreidekreise in unserem Land zu verringern.
woe 07.12.2009
Es ist Winter und das wird es auch noch ein paar Tage bleiben.
Es ist auch noch Winter auf Erden, was die Rücksichtnahme auf unser Klime, auf die Umwelt überhaupt betrifft.
Natürlich: Unsere Regierung eilt mit diversen Experten und sprachgewandten Teilnehmern zum Uno-Klimagipfel nach Kopenhagen. Viele Staaten tun das, 192, wenn ich es recht las und die meisten werden keine Fahrgemeinschaft gebildet haben, um hin zu kommen.
Gewiss: Das macht den Kohl auch nicht fett aber wenn ich ehrlich sein soll, geht es mir immer näher mit dem Klima - ebenso wie mit dem Umweltdenken. Mag sein, dass es daran liegt, dass ich Kinder in die Welt gesetzt habe. Mag sein, daran, dass ich mehr Fahrrad fahre als Auto. Immerhin macht das meinen Hintern knackiger und erhöht die Chancen bei den Mädels dieser Welt (bei den Jungs habe ich nicht so genau hingesehen).
Es beschleicht mich aber doch das Gefühl, dass wir uns mitten in einer Entwicklung befinden, von der wir alle heute nicht sagen können, wie sehr sie unsere Welt verändern wird. Womöglich ist uns al-Qaida morgen schon sowas von egal, dass wir uns morgen oder übermorgen wundern, dass wir dafür mal unseren Hintern bewegt haben.
Die Erde ist so riesig, so wundervoll groß, dass wir alle drauf passen, bis jetzt. Sie ist so riesig, dass meine Heizung überhaupt nicht ins Gewicht zu fallen scheint und mein Gasfuß beim Autofahren auch nicht. Kein Blitz zuckt strafend vom Himmel, wenn wir Mist baun, die Welt nimmt es hin.
Gerade wir, in unserer individualisierten, westlichen Zivilisation, handeln seltsam: Wir, die wir das Individuum, nicht zuletzt aus humanistischen Gründen, so sehr in den Mittelpunkt gestellt haben, leugnen diese Haltung bei Umweltbetrachtungen oft und gern. Da fällt der Einzelne plötzlich überhaupt nicht ins Gewicht, ist gänzlich vernachlässigbar. Selbst Staaten verstecken sich dann plötzlich hinter ihrer verschwindend geringen Wichtigkeit. Recht so, nur leider absolut inkonsequent und leider auch leichtsinnig.
Die Wichtigkeit kehrt nämlich flux zurück, wenn es darum geht, etwas ab zu bekommen, von der schönen Welt.
So sitzen also nun unsere Abgesandten in Kopenhagen und parlieren über den drohenden Klimakollaps. Alle werden ein einsichtiges Gesicht machen, Professionelle Kümmerer werden Stellungnahmen abgeben und das Gefühl verbreiten, das unser Vater Staat ja schon was macht, dann müssen wir ja nicht.
Aber, Leute, schaut Euch einfach mal um, wenn Ihr durch die Straßen geht. Sehr Euch gerade all die Kinder an, die da herum laufen. Seht sie Euch an und überlegt, wie die denn morgen leben werden, wenn die Zeit vorangeschritten ist. Die und ihre Kinder.
Wird die Wohlstandsfestung Europa dann noch existieren oder ist sie dann eine Trockenzone oder womöglich ein Eisschrank? Wird es dann noch interessant sein, ob diese Kinder deutsche, Russen, Amis oder was auch immer sind? Werden sie das noch wirchtig finden können oder werden sie ums Überleben kämpfen, weil die ganze Welt sich geändert hat und nichts, wirklich NICHTS mehr so ist, wie es bis heute war?
Umwelt geht uns alle an und wir alle sind Bewohner, Piloten des Raumschiffes Erde. Wir alle, rund um diesen blauen Planeten, sind ein Volk und wir haben ein Interesse: Leben!
Dafür müssen wir auch ALLE etwas tun, seien wir Westler konsequent: Das Individuum zählt, auch, wenn es was kostet, sonst kosten das unsere Kinder oder unsere Enkel womöglich den Kopf!
woe 08.12.2009
Der Streit um Erika Steinbach ist nun alt genug und offensichtlich ist, dass es da nicht um eine Sache sondern um Personen, um Positionen und um Dickköpfe geht.
Nachdem nun der Europaparlamentarier Daniel Caspary seinen absolut blamablen Vorstoß gegen Westerwelle ritt und damit desaströs seine fachliche Qualifikation als umsichtiger Volksvertreter ruinierte, dürfte eines klar sein: Diese Auseinandersetzung muss ein Ende haben. Sie beginnt lächerlich zu werden, geradezu blamabel und ich will mir gerade vorstellen, was wohl ein ausländisches Lästermaul wie ich dazu sagen würde ...:
Vergnügt würde ich das Ganze mit "Machtprobe für den deutschen Außenminister" überschreiben. Ich würde schildern, wie eine in Polen geborene, deutsche Provinzpolitikerin Kariere als hauptamtliche Vertriebene gemacht hat. Natürlich würde es ernsthaft Freude bereiten, sich lang und breit darüber auszulassen, dass in Deutschland Nachkommen von Besatzungssoldaten ernsthaft zu Vertriebenen stilisiert werden und auch noch staatliche Zuschüsse für die Vereine kassieren, die derartigen Unsinn verbreiten.
Gewiss würde sich auch lohnen, über den politischen Standort dieser Frau und ihrer Hilfskräfte zu sprechen. Allein die interessante Wortwelt ihres BdV-Vize Vizepräsidenten Albrecht Schläger lässt reiche Ernte erwarten. Er spricht gern uns selbstverständlich über "Vertreiberstaaten". Wenn er die aufzählt, kommt Deutschland nicht vor. Welch eine Steilvorlage für jemanden, der braune Spuren wittern will!
Braune Spuren, ohnehin ein heikles Kapitel der BdV-Geschichte. War der Verband doch mit diversen Führungskräften gesegnet, die schon anderen Führern dienten.
Wie leicht also, für ein pfiffiges Lästermaul, den Kampf zwischen Steinbach und Westerwelle als den Kampf zwischen rechtslastigen Revanchisten mit braunen Fingernägeln gegen einen liberalen Außenminister zu stilisieren. Es liegt nahe, den Herrenmenschen, die den Außenminister in die Knie zwingen wollen, braune Traditionen nachzusagen. War es damals nicht üblich, Schwule einfach zu verurteilen oder ganz einfach ohne Urteil ins KZ zu stecken? Wer die braune deutsche Vergangenheit beschwört, hat keinerlei Probleme, diesen Zusammenhang herzustellen. Gehört habe ich das auf der Straße auch schon und bin nun eindeutig gefordert, auf Westerwelles Seite zu stehen. Demokratischer Konsens gegen braunes Geschmodder.
Mich wundert inzwischen, mit welcher Siegesgewissheit Steinbachs Truppen ins Feld ziehen und ich sehe im Dilettantenvorstoß vom vergleichsweise jungen Daniel Caspary ein Indiz: Der glaubte gewiss, seine Kariere als Politiker auf diese Weise voran zu bringen.
Wer das so amateurhaft anstellt, hat wohl mehr Instinkt als Grips oder gar Besonnenheit. Wenig begabte Instinktmenschen wie er haben aber eine Ader dafür, Witterung für Trends aufzunehmen und mich sorgt, dass der Instinktpolitiker Caspary hier seine Chancen wittert. Womöglich ist sein Lieblingsschäferhund in Polen geboren und er kann daraus eine westpreußische Vertriebenenvita herleiten. Dann könnten wir es mit einem Aspiranten für hauptamtliches Vertriebenenunglück zu tun haben, wer weiß?
Bisher habe ich mich eigentlich über diese Auseinandersetzung amüsiert. Nun muss ich erkennen, dass sie mit bitterem Ernst auf Biegen und Brechen geführt wird. Westerwelle hat kaum mehr eine Wahl, er kann nicht vor einer Frau weichen, die ihre politische Kariere damit befördert, die polnische Westgrenze zu Deutschland nicht anerkennen zu wollen und aus der Abkunft von einem Besatzungssoldaten ungeniert ein Vertriebenenschicksal herleitet.
Sowas kann innerhalb Deutschland noch übersehen werden. Vertriebenenverbände sind ein altes Wählerstimmenreservoir der Union und gehört gepflegt. Im Ausland kann und wird dergleichen sehr viel kritischer gesehen. Gibt unsere Regierung jetzt nach, nimmt ihr Ansehen Schaden, fürchte ich. Die Geschichte ist zu laut geworden und einem wie Caspary ist zuzutrauen, dass er mit seiner Tat hausieren ging, bevor er wusste, wie peinlich er ist.
Frau Steinbach hat sich aber reichlich aus dem Fenster gelehnt, sie steht eigentlich schon davor, in der Luft quasi. Wenn die keiner hält, sieht man wie sie fällt.
Wer wird eigentlich diese Frau in ihrem Amt beerben, wenn sie diese Auseinandersetzung nicht übersteht? Wer schreit am lautesten für sie und treibt sie damit tiefer in ihr womöglich finales Gefecht?
woe 09.12.2009
Unser Klima, unsere Welt verändern sich. Ungezählte Generationen von Menschen haben keineswegs sorgenfrei auf diesem Planeten gelebt. Wir hatten unsere Sorgen, immer, wollten satt werden und keineswegs zur Sättigung des Tigers von nebenan beitragen. Vor allem hatten wir was dagegen, dass unsere Kinder als dessen Snack herhielten.
Die Menschheit hat sich daran gewöhnt um ihr Überleben zu kämpfen. Herausforderungen sind uns keineswegs neu und auch tödliche Bedrohungen nicht. Jetzt müssen wir uns aber daran gewöhnen, uns mit einem neuen Problem herum schlagen zu müssen: Mit uns, mit unseren Auswirkungen.
Wir sind mächtig geworden, wir Menschen, gerade wir Westmenschen. Wir laufen nicht mehr, wir fahren. Wir erklimmen keine Treppen mehr sondern wir fahren. Nicht mal zur letzten Ruhe werden wir getragen, wir fahren.
Gewiss, wir haben erkannt, dass wir nicht nur immer fahren dürfen, wir müssen uns fit halten, sonst gehen wir frühzeitig und bisweilen auch elendiglich zu Grunde. Also fahren wir zum Fitnessstudio oder fahren in den Wellnessurlaub und wir fahren besonders gern mit dem eigenen Auto.
Überhaupt, das Auto, es ist ein Wirtschaftsfaktor der unsere Volkswirtschaft zum Wanken bringen wird, wenn er verkümmert. Doof ist nur, dass wir einen verdammt wertvollen Stoff verkokeln, um uns mit dem Ding zu bewegen. Mineralöl ist eigentlich viel zu schade, es zur Umwandlung in Bewegungsenergie massenweise zur Explosion zu bringen.
Gewiss, wir machen das schon hundert Jahre so, es ist aber nicht immer alles gut, was schon immer so war. Die Zeiten wandeln sich und was heute an Abgas in die Luft gepustet wird, um zum Fitnessstudio zu gurken, will ich lieber nicht wissen. Ich sehe nur die Parkplätze vor solchen Einrichtungen: Autos ohne Ende.
Liegt nicht die Idee nahe, sich gleich per Pedes an den Ort zu begeben, an dem man sich fit halten will? Natürlich hat es was, das dort zu tun: Dort ist man unter Leuten, es ist ein sozialer Treffpunkt, also eine erstrebenswerte Örtlichkeit. Aber warum mit dem Auto?
Ich denke, wir könnten uns und unser täglich Handeln als Herausforderung sehen und daran arbeiten. Der Ölpreis wird ohnehin steigen und irgendwann wird es reichlich teuer, mit unseren hoffnungslos veralteten, blank polierten Autos los zu kutschieren.
Warum auch immer aber wir haben in Europa die Zeichen der Zeit mit verbundenen Augen betrachtet. Wir haben hier noch eine Antriebssysteme die dem Kokeln mit Benzin ein Ende setzen können. Die Japaner sind da zwar auch noch nicht raus aber viel weiter.
Wo bleibt der Erfindungsgeist, wo die unternehmerische Weitsicht? Wer seit der Ölkrise intensiv in neue Antriebstechnologien investiert hätte, würde jetzt reichlich reich werden können - oder bereits sein.
Ich nörgele ja nicht ökich daher, fahre selbst manchmal verdammt gern Auto. Ich sehe mich aber als Bürger eines rückständigen Landes und ich denke darüber nach, wie unsere Welt wohl aussieht, wenn der Ölpreis weiter steigt. Dann werden wir laufen, radeln, selber rennen und wir werden uns das nicht aussuchen sondern uns wird nichts anders übrig bleiben.
Womöglich ist es ja gut, wenn wir uns dann bewegen, das Heizen wird nämlich auch teurer werden und in meiner Stadtwohnung ist kein Schornstein, um einen Ofen daran anzuschließen, in dem ich die Äste verbrennen kann, die ich im Wald gesammelt habe.
Aber, Leute, was ich da für uns so schwarz male, ist zwar Folge der Kurzsichtigkeit deutscher Automanager, Politiker und dergleichen. Die Politiker aber unterliegen einer Aufsicht und die hat ebenso geschlafen.
Diese Aufsicht sind wir, die Wähler, das Volk, der Souverän dem Politiker verantwortlich sind. Wie haben die so oft geschmähten Ossis mal lautstark und erfolgreich gesagt? Wir sind das Volk! Tun wir was, bewegen wir unser Hiterteil und unseren Grips!
woe 09.12.2009
Da rangeln sie nun, wie üblich mit dem Wohl des eigenen Landes fest im Blick: Unsere Politiker sind in Kopenhagen zugange. Eigentlich und offiziell angetreten, die Welt vor einer Klimakatastrophe zu retten, retten sie wieder mal die vermeintlich eigenen Interessen.
Nun will ich nicht leugnen, dass der Gipfel da eine Gute Idee ist und ich erwarte auch nicht, dass all die Anstrengungen morgen bereits Früchte tragen.
Ich erinnere aber gern mal daran, dass Klimakatastrophen nicht vor Ländergrenzen halt machen. Bricht eine solche aus, sind Nationalstaaten Auslaufmodelle und die darin zu vergebenen Posten auch. Wer als Politiker also effektiv was gegen Klimakatastrophen unternimmt, schützt auch den eigen Job...
... ist das ein Anreiz?
woe 14.12.2009
Da sitzt er nun im Krankenhaus oder liegt er noch? Berlusconi hat eins auf die Nase bekommen, schnöde, physisch und dabei gehört dem das eigentlich mal rechtlich oder rechtsstaatlich.
Einerseits zürnt ihm die Gattin, andererseits bröckelt ihm die Immunität und nun schmerzt ihn sein Nasenbein und Italien fühlt plötzlich mit ihm.
Man sollte meinen, dieser Tage haut ihn das Schicksal und führt Italien mehr in die Nähe eines EU-Staates, fort vom Operettenimage, das der Staatsmann Berlusconi seinem Land bescherte. Nun kommt so ein Schläger daher und macht die Stimmung kaputt, kehrt sie für eine Weile um und lässt das Mutterherz der Stiefelnation für den geschundenen Schmutzfinken bluten.
Nein, es klingt zu perfide, zu weit hergeholt, das würden doch Berlusconis PR-Leute niemals von ihm verlangen: Sich hauen lassen, damit die Stimmung kippt.
Aber, wer weiß das schon? Schönheitsoperationen sind ja sein Geschäft, ob medien- oder staatspolitisch. Man munkelt, er habe sich gar selber liften lassen, der kleine Gockel. Kann es da sein, dass ihm oder den seinen so etwas als Show einfällt?
Dreist genug das durch zu ziehen ist er gewiss ...
woe 14.12.2009
Ich bin starrsinnig und finde diesen zu Guttenberg noch immer ganz brauchbar.
Natürlich hat der einen Misthaufen angefasst. Das Bundesverteidigungsministerium scheint mir ein echter Abenteuerspielplatz zu sein und dieses Ministerium brauch offenbar einen ordentlichen Besen, der nicht nur den Vorhof sauber hält, sondern auch den Keller und den Hinterhof.
Jahre hat man sich damit begnügt, Jung die Fassade sauber halten zu lassen. Die interne Struktur blieb von ihm und seinem Einfluss offensichtlich weitgehend unberührt. Nun kann ich meine Hoffnungen nur in diesen etwas arrogant wirkenden, geschniegelten und dabei keineswegs dummen, jungen Mann setzten.
Ich traue dem tatsächlich zu, in diesen ministerialen Wildwuchs Struktur zu bringen, eine, bei der auch etwas funktionierendes heraus kommt.
Wenn der das schafft, ohne dabei abgeschossen zu werden, hat die Opposition schon jetzt recht, wenn sie ihn mit allen Mitteln bekämpft. Dann hat der das Zeug zu mehr und neben jungen Politikern mit solchem Schneid sehen Staubsaugervertreter wie Steinmeier aus wie ein Schluck kalter Kaffee in der Kurve. Dem jungen Fatzke aus Bayern glauben die Menschen einfach mehr und wehe den Grünen, wenn zu Guttenberg erst mal mit der Gartenarbeit anfängt.
Nach Franz Josef Strauß taucht erstmals ein bayrischer Politiker mit ernst zu nehmendem Kampfgewicht auf der Bundesbühne auf. Strauß war in meinen Augen ein Phänomen aber gewiss kein Ruhmesblatt, weder für das diebische Bergvolk im Grenzgebiet zu Österreich noch für die Bundesrepublik. Zu Guttenberg hat bessere Manieren, kommt bei den Frauen besser an und ist keineswegs weniger intelligent. Wenn der nun noch mehr von Rechtsstaatlichkeit hält und die Finger vom SPIEGEL lässt, kann das spannend werden.
Schauen wir hin, wir sitzen in der ersten Reihe und bayrische Verteidigungsminister sind offenbar was Besonderes.
woe 15.12.2009
Der Papst mahnt, die Merkel ist nervös und ich mahne nervös. Der Unterschied zwischen denen und mir: Mir hört schon keiner zu.
Ob bei denen hinterher mehr bewegt wird, weiß ich nicht, sicher ist nur, dass beide schon einzeln wichtiger sind als ich zusammen.
Es geht um den Klimagipfel. Die Dänen machen guten Blauschimmelkäse, finde ich, die sollten die Mädels und Jungs vom Klimagipfel auch ne Weile in den Keller sperren. Wenn die Schimmel ansetzen, werden sie schon gefügig werden und sich um Ergebnisse bemühen. Im Augenblick kümmern sie sich um Vieles, um themenbezogene Fortschritte offenbar nicht.
Es ärgert mich, hören zu müssen, dass da in Kopenhagen Unmengen regierungsamtlicher Menschen aufeinander hocken, die sich gegenseitig nen X für nen U vormachen und das auch noch Arbeit nennen.
Gewiss, sie vertreten ihre Völker, sagen sie. Was aber wollen all diese Völker?
Leben!
Die Völker dieser Erde wollen leben und das, bitte sehr, in einer intakten Welt. Intakt heißt, dass die Kugel auf der wir wohnen weder zu warm- noch zu kalt wird und schon überhaupt nicht, weil wir mit unseren Abgasen nicht umgehen können.
Dafür sind die regierungsamtlichen Menschen nach Kopenhagen geschickt worden und die machen ihren Job nicht, die streiten sich darum wer seinen Job am schlechtesten macht, schieben sich wechselseitig den Schwarzen Peter in die Schuhe.
Bezahlen wir die, damit die schwarzer Peter spielen?
Nein! Wir wollen dass die sich zusammen raufen und miteinander verabreden, wie sie das Weltklima in Ordnung bringen. Stattdessen machen sie Unmengen Spesen.
Es wird Zeit, dass die ganze Welt demokratisch wird und alle Menschen sich um diese Demokratien kümmern, dann gibt es weitaus weniger regierungsamtliche Menschen, mit amtlichen Bezügen, versteht sich, die es wagen, ihren Job nicht ordentlich zu machen.
Bei einem Straßenfeger geht man hin und sagt, dass er mies arbeitet, wenn die Straße hinterher nicht sauber ist. Was sagt man über Regierungen die erfolglos auf Klimagipfeln rumstreiten?
woe 17.12.2009 00:26 Uhr
Ich bin ja langsam, richtig langsam und also schau ich mir an, dass ich viel später davon schreibe, dass zu Guttenberg vom Phänomen zum Menschen zusammen schnurrt, als Andere. Der SPIEGEL ist da schneller, die machen aber auch den ganzen Tag nix anders als schneller zu sein.
Nein, ich finde das überhaupt nicht schlecht, dass der geschniegelte Intelligenzbolzen vom strahlenden Stern wieder zum Menschen zusammen gefaltet wird. Der Mann hat was und der kann was taugen, Jungspunde denen aber nie Wind entgegen wehte, taugen in der Regel nicht die Windeln in die sie kürzlich noch gewickelt waren.
Zu Guttenberg bekommt Prügel, na und? Politik ist sein Beruf, womöglich seine Berufung. Jetzt wird sich zeigen, aus welchem Holz der geschnitzt ist. Selbst wenn er den Posten aufgeben muss, werden wir noch sehen können ob der Format hat oder nicht.
Ein guter Mann in seinem Alter kann sich sehr wohl ne Schlappe leisten, wenn er dann aber durchhält und wieder kommt, dann wächst da ein Baum aus hartem Holz.
Ich hoffe nur, dass er, obgleich er aus Bayern kommt, auch genug Demokratie getrunken hat. Strauß hatte, so hatte ich den unangenehmen Eindruck gewonnen, nicht soooo viel davon genommen. Und Lästermäuler wie ich werden keine Gelegenheit versäumen, auf bayrische Besonderheiten hinzuweisen.
Nein, ich hoffe, dass der Junge Mann wirklich mit Rückgrad ausgestattet ist. Wir brauchen junge Politiker die nicht die Füße ihrer Fraktionschefs küssen sondern selber denken. Jasager haben wir genug, wir brauchen aufrechte Demokraten, sonst verkommen wir zu einer Demokratur die wir am Ende nicht brauchen können.
Also: Ich bin gespannt... und es ist späte Nacht, ich geh schlafen und schau in der Frühe wieder nach der Welt.
woe 17.12.2009
Opfer? Schneidehahn, Guttenberg?
Die Toten, die Verwundeten, die Familien?
Kundus ist in aller Munde. Da wird zu Guttenberg demontiert, nen schneidiger Hahn geschasst und wir haben als Nation auch noch unsere Unschuld verloren.
Wir sollten aber einen Augenblick inne halten, bei all dem Parlieren, dem atemlosen Wissen das wir da unter Beweis stellen.
Nehmen wir mal das Brausen heraus, halten wir einfach kurz den Atem an und horchen nach einer Sache die dabei beinahe unter zu gehen scheint: Da wurden Zivilisten getroffen, getötet. Da kamen Menschen um und diese Menschen haben Hinterbliebene.
Es ist ja nett, mit wissender Mine über das Für oder Wider eines Verteidigungsministers zu schreiben. Was ist aber mit Toten und was ist mit den Lebenden von Kundus?
Sind da Väter unter den Opfern, die wir, die Deutschland zu verantworten hat? Haben diese Väter Söhne? Werden die Söhne eines Tages Rache nehmen wollen, müssen? Muss ich nun fürchten, dass tote Bundeswehsoldaten zurück gebracht werden, weil der Tod nach Taten schreit?
Was ist mit den Witwen und Waisen, die zurück bleiben, ihre Ernährer verloren haben?
Mag sein, dass wir als Nation unsere Unschuld verloren haben aber was ist das gegen den Verlaust des Vaters, des Bruder oder des Sohnes? Wie würde ich reagieren? Was, wenn mein Sohn los gelaufen wäre, Bezin zu holen, damit wir es wärmer haben und ich dann nach seiner Asche im Flussbett hätte suchen müssen, weil nichts sonst von ihm geblieben ist?
Ich hab schon rasch nach der Geburt meines Sohnes bemerkt, was in mir vorging, wenn ich von SS-Ärzten las, die an Kindern grausame Experimente machten. Ich habe bemerkt, dass meine humanistische Bildung und meine christliche Erziehung archaischen Instinkten wichen, wenn ich mir vorstellte, das könnte einer mit Meinen machen.
Was also tun wir denen gegenüber, die nicht eben mal irgendeine nicht näher bezeichnete Unschuld verloren haben sondern einen Menschen, oder zwei, oder drei?
Verneigen wir uns wenigstens vor den unschuldigenToten? Geben wir denen, die hinterblieben eine Aussicht auf eine Zukunft, obgleich ihr Ernährer uns zum Opfer fiel?
Oder vertun wir unsere Zeit und reden, damit die Betroffenen Zeit haben dem Hass anheim zu fallen und bei uns für Tote sorgen? Auge um Auge ist kein Weg, das können wir nicht brauchen, man kann das aufhalten, wenn man will, bevor die Sache mit den Zähnen anfängt ...
woe 19.12.2009
Na, toll: Keine Seite ist zufrieden. Nen Abkommen gibt's auch nicht, nur ne gemeinsame Erklärung. Wie arm ist das denn?
Ich denke, nun sollten wir doch mal nachsehen, ob die Bande wenigstens Fahrgemeinschaften gebildet haben oder ob jeder mit seinem eigenen Jet gekommen ist.
Obama könnte doch die Mexikaner und die Kanadier mitnehmen in seiner Air Force One, oder, die Festlands Chinesen die Taiwanesen, aber nach Ankunft wieder frei lassen, bitte! Nein, ich bin sauer und es ist mir ausgesprochen schnurtz ob die dänische Verhandlungsführung nicht so gut war oder Irgendwem nen Abgas quer im Auspuff steckte.
Die Klimaerwärmung ist Fakt, längst nicht mehr Fiktion, wie uns vor ein paar Jahren Wirtschaft und Politik noch vorflunkern wollten.
Wenn die Meere tatsächlich steigen und auch nur Bruchteile der anderen Prognosen eintreten, bleibt Nichts mehr wie es war und die Menschheit hat zu tun, ordentlich zu tun damit, weiter zu existieren.
Ich habe Kinder und ich erwarte von all unseren Politikern, dass sie ihren Hintern in Bewegung setzten und sich dagegen stemmen. Sie sollen die Ingeneure los lassen, die Wissenschaft von der Leine, es wird doch Innovationskraft genug geben, von dem Teufelskreis los zu kommen. Genau darauf sollen die sich einigen.
Wenn die Katastrophe da ist, schert sich ohnehin keiner mehr um Nationen und nationale Politiker, dann gilt es ohnehin, gemeinsam durch zu kommen. Wie ich die Doofen aber kenne, werden sich, zu allem Überfluss, einige ihre Waffen schnappen und los ballern.
Also, jetzt reicht es nicht mehr, dass wir unsere Politiker anfeuern, nun müssen wir alle selber ran, fürchte ich, denn wir sind am Ende auch alle selber drann ...
woe 24.12.2009
Krise der Demokratie, weil die Leute nicht mehr wählen gehen?
Wer hat das denn rausgefunden? Besser: Wer hat die bezahlt, die das rausgefunden haben?
Ach, das sind Fragen die sich der Staat stellt? Nee, das sind Antworten die Politiker gerne hören!
Gewiss, es ist in auf die Politiker einzudreschen und uns Wähler in Unschuld zu baden. Andersrum würde sich auch nur lohnen, wenn ich für meine Zeilen von der Politik bezahlt würde, denke ich.
Mir geht das aber auf die Nerven, wenn abgehoben darüber salbadert wird, dass Politikverdrossenheit heute allerorten grassiert und weiter um sich greift. Eine Demokratie steckt immer in der Krise, ist zu jeder Zeit von innen und außen bedroht.
Es gibt immer machtgierige Systeme, die Appetit auf Nachbarn haben und im Innern gibt es immer irgendwelche Idioten, die die Weisheit so sehr mit Löffeln gefressen zu haben glauben, dass sie nun das Recht zu haben meinen, allen Anderen ihre Version aufdrücken zu können. Gewiss, solchen Unfug gelöffelt zu haben ist schon eine Leistung, dass man danach nach Belohnung giert, ist allen klar. Wir müssten den unappetitliche Mist dann aber auch löffeln und das eint die Mehrheit in der Abwehr, ganz demokratisch, da greift auch kein Minderheitenschutz.
Doch zurück zur Krise der Demokratie: Was die kuschelnden Kaffeetanten Steinmeier und Merkel da als Wahlkampf abgeliefert haben, zieht keinen Hering vom Teller. Ich bin damals wegen Willy Brandt und Egon Bahr los und bin Plakate klebend durch die Lüneburger Heide gehüpft. Hier und da gab es rechte Landjugend, die uns dafür zu verprügeln suchten, letztlich mein materieller Tribut an die Demokratie lediglich ein geschlitzter Reifen, mehr nicht.
Aber, ganz offen: Egon und Willy waren aber noch echte Typen die einen mit sich rissen. Angela Merkel macht wenigstens glaubhaft die kaffeeselige Mutter der Nation, ich kann mir gut vorstellen, mit ihr am Kaffeetisch zu sitzen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Kann ich mir das aber mit diesem Steinmeier vorstellen? Ich meine, schauen wir doch mal hin, wie glaubwürdig der Mann rüber kommt und dann soll ich mit dem an einen Tisch?
Für den bin ich doch ein Nichts und der wird sich wundern, warum ich da überhaupt sitze, so lange keine Kamera auf uns gerichtet ist.
Nein, der Merkel glaube ich, dass sie Ordnung am Kaffeetisch schafft und die Sache mit dem Gebäck im Griff behält. Aufregend finde ich das dann aber auch nicht und als junger Mensch würde ich dann lieber flirten gehen, die alte hat das ja im Griff.
Dass sie die Wahl gewinnen würde, war auch allen klar. Allenfalls der Tischgenosse war hier und da bestritten worden, ist jetzt ja erwartungsgemäß auch kein Genosse, sondern ein liberaler mit Aversion gegen Fremdsprachige.
Krise der Demokratie - stimmt, haben wir.
Demokratie ist kein wartungsfreies System mit Selbstschmiereffekt. Ok, geschiert wird reichlich, ohne Frage, man betrachte nur die Beschaffung gepanzerter Fahrzeuge für unsere Mädels und Jungs in Afghanistan.
Aber wir Wähler müssen uns darüber klar werden, dass Demokratie eben eine Maschine ist, in die wir Stücke unserer Lebensenergie stecken müssen, damit die funktioniert. Sonst ist sie fest in Händen beruflich politisierender Kariereclowns, denen es schnurz ist, was sie so abstimmen, Hauptsache, sie dürfen sich goldene Füller auf Kosten der Bundestagsverwaltung bestellen.
Die Krise der Demokratie beginnt, wenn wir Wähler aufhören, selbst an ihr teil zu haben. Also als erstes immer schön vor der eigenen Haustüre kehren und dann Politiker mit Worten verhauen.
Stellt Euch doch mal vor, es ist Wahlkampf, wir sehen genauer hin und nehmen genüsslich all die Einseifparolen schon der Politiker unserer eigenen Partei auseinander, bis die was Vernünftiges über die Lippen bringen. Danach diskutieren wir dann mit den Nachbarn und am Ende kriegen wir gemeinsam schon raus, wer für uns regieren geht.
woe 26.12.2009
Weihnachten ist direkt über uns. Nichts zu machen, Ausweichen unmöglich, es überall.
Seit September kaufe ich mir bei meinem Lieblingsdiscounter mit den netten Verkäuferinnen immer mal wieder Baumstämme aus dem Weihnachtsregal.
Baumstämme, das sind verdammt verführerischen kleinen Stangen die außen eine Schokoladenhülle haben, darunter einen Marzipanring und innen einen Nougatkern. Grausam, das Zeug, die gehören auf den Index und sollten eigentlich einer umsichtigen Suchtmittelgesetzgebung zum Opfer fallen.
Seit September werden die Baumstämme aber auch von der gesamten Breite des allgemein anerkannten Weihnachtssortimentes begleitet. Seit September ist Weihnachten im Aufmarsch begriffen.
Überall frohe Botschaften, friedfertige Menschen, wenigstens auf den Reklameplakaten. Überall Friede, Freude, Eierkuchen.
Klar, nun sollte ich anheben und daran erinnern, was auf unserer Welt alles im Argen liegt. Ein deutscher Intellektueller muss nörgeln, sonst ist er nicht intellektuell.
Dass Vieles im Argen liegt und auch nicht genug Frieden auf der Erde herrscht, wissen wir aber alle. Jeder von uns, jeder kann denken und auch wenn er nicht denken will, sickert das ein. Bedrohungen sind nun mal so, dass sie sich mitteilen.
Ich will aber nächstes Jahr und übernächstes auch, ich will mich von diese köstlichen Baumstämme noch viele Jahre verführen lassen. Nein, nicht von den netten Verkäuferinnen bei meinem Lieblingsdiscounter, die sind einfach Menschen mit denen umzugehen eine Freude ist. Sie arbeiten hart und wenn ich das späte Ladenschlussgesetz nach meinem Feuerabend genieße, dann können sie auch noch lächeln, wenn ich lächeln kann. Wir lächeln uns gegenseitig die Welt schöner, die sind, so seltsam das klingt, ein Stück Heimat. Die kennen und nennen mich beim Namen, das ist bei meinem Zigeunerleben etwas ganz besonderes.
All diese kleinen Freuden will ich noch viele Jahre genießen, in ihrer wundervollen, schönen Schlichtheit, in ihrer scheinbaren Langeweile und ich will mein Leben beschließen können, indem ich daran nicht wehmütig zurück denken muss, weil der Klimawandel das Land ausdörrt und Verteilungskriege die Bevölkerung dezimieren.
Ich werde mich also darauf vorbereiten, auch ab kommendem September wieder immer mal Baumstämme zu kaufen und zwischendurch werde ich meinen Teil dafür tun, dass das so langweilig bleiben kann. Ich werde was für den Umweltschutz tun, menschlich mit Menschen umgehen und den Politikern auf die Füße treten, die uns vertreten sollen. Dafür bekommen sie Geld und ordentliche Pensionen zu traumhaften Bedingungen von uns. Übrigens auch und gerade finanziert durch Steuern, die viele, kleine Verkäuferinnen bezahlen.
Ich werde sauer werden, wenn Politiker sich auf Kosten der Bundestagsverwaltung goldene Füller kaufen und allzu sehr erkennen lassen, dass sie ihr Gewissen für solche Füller oder anderen Schnickschnack verkauft haben (auch größere Summen fallen hier unter den Begriff Schnickschnack!).
Also: Weihnachten ist mitten über uns und hoffentlich nächstes Jahr wieder genau so bequem wie dieses denn wenn wir nur einen Millimeter über den Tellerrand sehen, können wir erkennen, dass wir warm, trocken und mit vollem Bauch hier hocken. Schauen wir uns genauer um, sehen wir verdammt viele Menschen, denen es weitaus schlechter geht als uns. Wenn wir nicht wollen, dass die uns das neiden, sollten wir zusehen, dass wir denen helfen, es so bequem zu haben, wie wir. Kann doch nicht schaden, wenn alle satt werden, oder?
Ach ja: Auch kleine Taten helfen, sogar klitzekleine.
woe 28.12.2009
Meine Güte, kennen wir das nicht alle? Hier der junge Kerl, geblendet von der Schönheit, vom Liebreiz seiner Angebeteten, der Versprechungen macht, die er niemals halten kann? Da der alte Gockel, der der schönen Maid das blaue vom Himmel verspricht oder, wer kennt sie nicht, die Vertriebies dieser Welt, die den Mund weitaus voller nehmen als irgendein Techniker je halten kann.
Unsere Regierung hat nicht nur ein Problem mit der hauptamtlich vertriebenen Steinbach sondern auch mit den Versprechungen die ihr Vertrieb vor der Wahl so gemacht hat: Kein Schwein weiß, wie das jetzt bezahlt werden soll und am Ende kommt dabei das heraus, was handelsübliche primitive Vertriebies immer verursachen: Augenwischerei!
Besonders übel ist dabei, dass die sich meist nicht anders zu helfen wissen als unhaltbare Versprechungen durch neue, noch weniger haltbare zu vertuschen.
Glaubt im ernst Einer, dass das deutsche Wahlvolk diese Regierung wählte, weil die vorher wilde Versprechungen gemacht hat?
Gut, Steuergeschenke sind ganz nett aber wir wissen doch alle, dass Steuern die uns auf der einen Seite erspart werden, auf der anderen wieder rein geholt werden müssen und am Ende wir die Nullrunde fahren, während die Dummen unter unseren Politikern sich einbilden, wir hätten das nicht gemerkt. Die besonders Dummen glauben ja auch, dass ihnen abnehmen, dass sie unbedingt goldene Füller zum regieren brauchen.
Nein, das Volk hat diese Regierung gewählt, weil die ihre Arbeit ordentlich machen soll. Steinmeier haben die das nicht zugetraut, Oscar auch nicht. Überhaupt, wer kann schon im Ernst glauben, dass Oscar irgendwo standhalten wird? Wer sich auf den verlässt, wird auch von ihm verlassen werden.
Allenfalls den Grünen haben manche Leute in meiner Umgebung noch das Regieren zugetraut. Diese konservative Partei von morgen hat noch Potential in der Wählergunst. Die Verheißung atembarer Luft wird ein Dauerbrenner bleiben und keinem sonst wird das geglaubt. Allen anderen Parteien traut man zu, dass die den Umweltschutz opfern werden, der ökonomische Druck muss nur hoch genug werden oder die Verlockung kühner Versprechungen von Seiten der Wirtschaft. Immerhin nehmen unsere Politiker doch irgendwoher die Zuversicht, dass selbst blödeste Versprechungen Sinn machen. Liegt da nicht nahe, dass die selbst darauf reinfallen und deshalb uns auch zutrauen, so doof zu sein?
Wer goldene Füller auf Kosten der Steuerzahler kauft, macht auch noch ganz andere Sache.
Das Wahlvolk, liebe Freunde, ist aber keineswegs so doof, wie Ihr Vertriebies aus der Politik meint. Wir lernen täglich dazu und letztlich gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass aus den platten Vertriebies in der Politik früher oder später Vertriebene werden. Vertrieben aus Amt und Würden, weil sie nicht tauglich sind, uns zu vertreten, da in Berlin.
Schenken wir ihnen zum Abschied ihre goldenen Füller und lassen wir sie ziehen.
Wenn wir Wähler uns jetzt aber ärgern, dass aus den Versprechungen nix wird, dann sollten wir uns an die eigene Nase fassen: Solange wir denen erlauben, solchen Unsinn zu veranstalten, machen die den auch. Wir müssen unseren Politikern eben helfen, wir müssen sie lehren was geht und was nicht.
Was haben unsere Schwestern und Brüder im Osten so lauthals gerufen? Wir sind das Volk!
Lernen wir ne Runde Demokratie von Denen, die die Diktatur nicht mehr wollten.
Ach ja, ihr Besserwessies: Die haben es übrigens geschafft und nicht nur den Mund bewegt ...
woe 31.12.2009
Da ist es, das Ende der Fahnenstange. Nachdem die SPD schon die Bundestagswahl verloren hat, schickt sie sich nun an, auch die Afghanistan-Koalition zu verlassen.
Wie es scheint, waren Siegmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier beim weisen, rauchenden Orakel der deutschen Sozialdemokratie und haben versucht, sich eine Art Segen für den neuen Kurs zu holen.
Dass Schmidt nicht für den Afghanistaneinsatz ist, war vorher bekannt. Memoriere ich das richtig, war er von Anfang an dagegen. Ich denke, der alte Fuchs wusste was von all den geschönten Prognosen zu halten war, die man damals in Umlauf brachte, um den Einsatz deutscher Soldaten am Hindukusch unter Dach und Fach zu bringen.
Von Gabriel und Steinmeier erinnere ich keine Opposition gegen den deutschen Afghanistaneinsatz. Warum auch, damals hätte es ihre Kariere nicht befördert.
In Afghanistan hat sich nix geändert, ist nix passiert, was den Kurswechsel rechtfertigt. Die Toten auf der Sandbank sind nur insofern neu, dass auf ihren Grabsteinen ein deutscher Tötungsstempel prangt. Gestorben wurde da vorher auch, aber was zählen schon Menschenleben gegen politische Opportunität? Überhaupt: Diese Grabsteine stehen weit entfernt vom deutschen Wahlgeschehen.
Und mit dem Wahlgeschehen sind wir wohl auf dem Punkt: In Nordrhein-Westfalen gibt es Wahlen. Die Wahlstrategen finden die Idee vom Gabriel als figürlich passable Friedensputte zielführend. Könnte er jetzt noch zum Papst pilgern und sich dafür dessen Segen holen, wäre er perfekt aufgestellt, den Menschen Sand in die Augen zu streuen.
Ungewöhnlich finde ich nur, dass Gabriel so offen als scheinheilig erkennbare Manöver fliegt. Handwerklich ist der sonst deutlich besser, schafft er es doch immer wieder, seine etwas schmierige Ausstrahlung einfach weck zu sabbeln.
Ich werte diese Nummer als Indiz purer Verzweiflung. Die internen Prognosen für die NRW-Wahl werden wohl niederschmetternd sein und Gabriel braucht Erfolge, um seinen Status als Hinterzimmervorsitzender los zu werden. Erfolg tut gut und macht auch zum guten Menschen, womöglich gar zum guten Vorsitzenden.
Seine Aussicht auf Erfolg will mir aber nicht einleuchten. Wäre ich Soldat oder Angehöriger in Afghanistan Dienender, würde ich die SPD nur wählen, wenn die sich nun darum bemühen würde, unsere Leute da schleunigst heraus zu holen, immerhin wird da gestorben.
Stattdessen wage ich die Prognose, dass man sich hier nicht um die Gefahren für Leib und Leben unserer Leute kümmern wird. Man wird Wahlkampf machen, die SPD wird zur Friedenspartei, Angela Merkel zur Kriegskanzlerin, das ist die Sprachregelung, nichts weiter.
Kriegen die Wähler aber mit, dass es der SPD nicht um die Menschen sondern nur um Stimmen geht, kriegt die keine.
So kann ich nur hoffen, dass Andere sich darüber auslassen, die eine größere Reichweite als laesterwelle,de haben, damit die dann auch im Willy-Brandt-Haus gelesen oder gehört werden.
Überhaupt: Was soll nun wirklich werden, mit Afghanistan?
woe 31.12.2009
Ich muss weder Runen lesen können noch Kaffeesatz, um zu wissen, dass unsere Ausblicke nicht wirklich besser werden.
Vieles was uns als Krise heimsuchte, wurde vertagt, verschoben, auf Halde gelegt. Doch was aus dem Auge ist, sollte nicht unbedingt aus dem Sinn sein. Das Alles muss abgearbeitet werden.
Sehe ich nur die Finanzkrise: Die Banken haben sich erstaunlich gut erholt, machen längst munter weiter wie vorher. Mit der Bankenkrise ist es aber leider wie mit der Atomindustrie: Die Einen manchen Gewinn, die Anderen zahlen die Zeche. Die Anderen, das sind die Steuerzahler.
Bei der Atomenergie wird gern von günstigen Kosten pro Kilowattstunde gesprochen. Die Endlagerkosten für Jahrtausende gehen dann auf unsere Kosten und die vieler, sehr vieler Generationen nach uns. Der Staat hat den Banken den Arsch gerettet, mit Geld das er leihen musste und für das wir lange Zinsen zu zahlen haben.
Mir scheint, es braucht einen neuen, einen nüchternen Blick auf die Welt und womöglich eine neue Ethik.
Nichts gegen Wettbewerb und Gewinnstreben. Volkswirtschaften taugen aber nur was, wenn sie dem Volke nützlich sind. Muss das Volk darauf legen, darf es sich empören, wenn aus dem gemeinsamen Engagement Gewinne erwirtschaftet werden, die dann aber in anderen Taschen versickern.
Wie war das? Leistung muss sich wieder lohnen? Lohnt es sich, steuern zu zahlen, wenn die eben damit geretteten Banken anschließend Gewinne machen und sich dabei vornehm zurück halten, wenn es um die Kosten der Krise geht?
Die Antwort liegt auf der Hand und doch müssen wir tiefer sehen: Haben wir die richtige Ethik, wenn als tüchtig und also auch als Ehrbar gilt, wer einfach nur Gewinne macht. Oder müssen wir künftig fragen wie diese Ehrbarkeit erworben wurde?
Unsere Gesellschaft ist Herausforderungen ausgesetzt und sie muss sie bestehen, wenn sie überleben will. Können wir Herausforderungen meistern, wenn wir bewusst blind durch die Gegend laufen und nur sehen, was wiederwahlversessene Politiker uns sehen machen wollen?
Nein, ich denke nicht.
Ich denke, die bequemen Jahrzehnte fürs Wahlvolk sind vorbei.
Wir müssen selbst wieder denken, uns informieren und Schlüsse ziehen. Die Arbeitsteilung funktioniert nicht, wenn wir Politprofis das Feld überlassen und sie dafür bezahlen, dass wir regiert werden.
Lieber Leser, machen wir eine Probe und versuchen wir, jetzt, hier, in diesem Augenblick fünf Politiker aufzuzählen, die mit einer nachvollziehbaren Idee gewählt werden wollen und nicht nur weil sie eine Pension haben wollen oder als MdB besser an Lobbygelder kommen.
Na? Nicht leicht, oder?
Also: Mein Ausblick hängt genau davon ab, ob wir es schaffen, engagierte Politiker nach Berlin zu schicken, in die Landeshauptstädte, in den Kreistag oder eben in den Rat von Dorf oder Stadt.
Bei aller Neugier auf die Entwicklung geschniegelter Frischlinge wie zu Guttenberg aber, habe ich mir für 2009 einen Politiker ausgesucht, den ich richtig zu mögen begann. Er ist auf dem Weg in meiner Wertewelt zu den Alten aufzuschließen. Er entpuppte sich als kantig, hatte dazu die Größe, Verantwortung zu übernehmen wo ein Steinmeier sich lieber nebenbei den Fraktionsvorsitz unter den Nagel riss und bekam es sogar fertig, vor der Presse zu gestehen, dass er was nicht weiß. Der hat, für mich wohl als einziger vor der Bundestagswahl, von Unangenehmen Dingen gesprochen. Seine Parteikollegen hätten ihn am liebsten nur noch mit der Kneifzange angefasst, um bloß nicht angesteckt zu werden.
Vor er Wahl buhlte man in seiner Partei um das Wohlwollen des Stalinisten Müntefering und schleimte sich beim lieben Frank Walter ein. Peer Steinbrück aber war das peinliche Schmuddelkind. Der Watschenmann für Westerwelle und andere Nachwuchspolitschranzen, letztlich aber mein Lieblingspolitiker 2009.