woe 06.05.2012
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woe 06.05.2012
Ich kann nicht sagen, wen ich als Grieche wählen würde. Dazu bin ich zu weit entfernt, hab zu wenig Ahnung. Die französische Stichwahl zwischen Präsident Sarkozy seinem sozialistischen Herausforderer Hollande ist mir persönlich nicht so recht.
Bei Sarkozy vermute ich nicht einmal einen guten Geschmack was Frauen betrifft. Ich bin mir nicht sicher, dass seine Gattin von ihm und nicht von seiner PR-Abteilung erkoren wurde. Um ehrlich zu sein, bin ich froh, dass der Mann nicht hier sondern anderswo zur Wahl steht. Schade, das ihn ausgerechnet unsere sympathischen Nachbarn in Frankreich gewählt haben, Südamerika passte besser zu ihm. Seine eher egomanischen Anwandlungen passen einfach besser ins Bild irgendeiner weit entfernten Bananenrepublik. Hollande dagegen fummelt mir zu populistisch an Europa herum. Es ist Mode geworden, Europa für Wahlkampfzwecke doof zu finden. Mir wäre es lieber, wenn aufstrebende Politiker an der Demokratisierung Europas arbeiten würden als an seiner Demontage. Wir sind Bürger eines Planeten der zusammen wachsen muss, EIN Europa ist ein Schritt auf dem Weg dahin.
In meiner neuen Heimat habe ich es leichter. Ich bin in Schleswig-Holstein gelandet. Es ist kühler in Ratzeburg als zuvor in Mainz aber das Land wärmt mir das Herz viel mehr. Ich mag den Norden und also habe ich immer hin gesehen, jetzt bin ich mitten drin.
Peinlich ist natürlich, dass ich nicht einfach nur nach dem uralten Parteibuch gehe, das ich seit nun beinahe vier Jahrzehnten in der Tasche trage. De Jager von der Union und Albig von der SPD scheinen mir beide Demokraten mit dem Willen Politik nach bestem Gewissen zu machen. Anders als der Franzose Sarkozy machen sie auf mich den Eindruck als wollten sie den Einfluss auf die Politik des Landes für das Land nutzen und nicht einfach mal so eben für sich.
Ich selbst darf noch nicht an die Urne, mein Umzug liegt noch nicht lang genug zurück. Mir bleibt nur die Daumen zu drücken aber ich habe da keinen Stress. Es ist ganz schön den Eindruck zuhaben, dass beide Kontrahenten hinterher vermutlich ordentliche Arbeit abliefern werden. Bleibt die Union an der Spitze, wird Schleswig-Holstein zum Glücksspielparadies. Lang genug habe ich an Altersverifikationen getüftelt, das Glücksspiel würde diverse neue IT-Arbeitsplätze machen, die SPD wird das aber wohl killen müssen. Arbeite ich nicht für eine interessante Verlagsgruppe, würde ich beinahe versucht sein, dem Glücksspieler de Jager Glück zu wünschen, allein um zu sehen was aus dem neuen Glücksspielgesetz des Landes entwickeln wird.
Es ist Wahlsonntag, noch sehr früh: Ich bin gespannt und gönne mir gleich wieder einen Blick auf den nahe gelegenen See, zufrieden plötzlich in einer Gegend zu wohnen deren landschaftliche Reize mich immer aufs neue berühren – nicht nur, wenn ich auf dem Rad aus der Puste komm, weil es hier nicht so topfeben ist, wie die Südländer immer glauben.